Die drei Großbanken sind trotz Crash gut über die Runden gekommen

Wenn die deutschen Großbanken der Presse ihre Bilanzen präsentieren, ist der Auftrieb allemal groß. Dann strömen Deutschlands Finanz- und Wirtschaftsjournalisten in Kompaniestärke in die imposanten Vortragssäle der drei Riesen im Frankfurter Bankenviertel. Einmal hoch über der Stadt, im 31. Stock des Dresdner Bank-Gebäudes, und zweimal erdnäher bei der Deutschen Bank und der Commerzbank, erfahren sie dann, wie die größten deutschen Aktienbanken mit dem Geld ihrer Kunden gewirtschaftet haben und was sie für die 400 000köpfige Schar ihrer Aktionäre zu tun gedenken.

Diesmal war die Spannung besonders groß, wegen des Börsenkrachs vom Oktober des vergangenen Jahres. Daß die Kreditinstitute den Crash nicht unbeschadet überstanden haben, war seit langem bekannt. Man wußte, daß sie beträchtliche Abschreibungen auf ihre milliardenschweren Aktienbestände machen mußten, aber nun wollte man es doch genauer wissen.

Um es vorwegzunehmen: Viel genauer weiß man das jetzt immer noch nicht. Es gibt da einige Anhaltspunkte, manchmal auch ein paar Zahlen, die etwas Licht in das undurchdringliche Zahlenwerk der Bilanzen bringen. Aber selbst die gewieftesten Bilanzakrobaten unter den Finanzjournalisten sind bei ihren Berechnungen meist auf Vermutungen und Schätzungen angewiesen.

Das hat einen einfachen Grund. Das Deutsche Kreditwesengesetz, das Grundgesetz der Banken, erlaubt es den Instituten, stille Reserven zu bilden und aufzulösen. Sie können bestimmte Erträge mit bestimmten Aufwendungen verrechnen, was zur Folge hat, daß kein Außenstehender erkennnen kann, wie die Banken in einer Bilanzperiode tatsächlich gewirtschaftet haben. Da mögen die Presseleute noch so hartnäckig bohren, die Antworten der bedeutendsten deutschen Bankmanager sind in dieser Beziehung immer gleich. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß ich diese Frage nicht beantworten will“, ist zum Beispiel eine beim Chef der Dresdner Bank, Wolfgang Röller, beliebte und oft genutzte Redewendung. Walter Seipp, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, mag da nicht nachstehen. „Stille Reserven heißen so, weil sie still sind“, klärte er jetzt in Frankfurt einen Journalisten auf, der wissen wollte, ob denn die Commerzbank solche auch aufgelöst habe, um das Betriebsergebnis optisch zu verbessern.

Man muß also wissen, daß die veröffentlichten Bilanzen deutscher Kreditinstitute – mit dem ausdrücklichen Segen des Gesetzgebers – mehr verschleiern als erhellen. Sogar ein Vergleich der Zahlenwerke der drei Großbanken steht auf tönernen Füßen, da nicht einmal sicher ist, ob die Institute ihre Ergebnisse nach einem einheitlichen Schema errechnet haben. F. Wilhelm Christians von der Deutschen Bank betonte zum Beispiel auf der diesjährigen Pressekonferenz, daß „die Abschreibungen auf eigene Wertpapierhandelsbestände im Betriebsergebnis verrechnet seien“. Zu einer klaren Antwort auf die Frage, ob das die Dresdner Bank auch so getan habe, ließ sich Röller nicht hinreißen. Sibyllinisch erklärte er lediglich, daß es „ein Teilbetriebsergebnis, ein Betriebsergebnis und ein Gesamtbetriebsergebnis“ gebe, in letzterem seien auch diese Abschreibungen „natürlich“ enthalten. Aber nur er weiß, ob sich die von ihm genannte Veränderung des Betriebsgewinns auf das Gesamtbetriebsergebnis bezieht oder nicht.

Da fällt es kaum noch ins Gewicht, daß die Banken dieses Gesamtbetriebsergebnis, also den wichtigsten Maßstab für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, sowieso nicht in einer absoluten Zahl angeben, sondern nur die entsprechenden Veränderungsraten zum Vorjahr. Zieht man die zu Rate, wenn es um die Frage geht, wie die drei führenden Bankkonzerne durch den Crash gekommen sind, so hat es die Deutsche Bank am stärksten erwischt. Ihre Kennziffer sank um ganze 32,6 Prozent gegenüber 1986, bei der Dresdner Bank um über 15 Prozent und bei der Commerzbank um knapp 18 Prozent. Der drastische Rückgang bei der Deutschen Bank hat vor allem zwei Gründe: Das Institut besitzt mit Abstand die größten Aktienpakete, und es hat im vergangenen Jahr für umgerechnet 1,2 Milliarden Mark die Banca d’America e d’Italia (BAI) gekauft. Für dieses Geld verzichtete die Deutsche Bank auf eine Verzinsung, die Gewinne der BAI wurden, wie es Christians ausführte, dem Institut „zur inneren Stärkung“ belassen.