Nur die Supermächte können der Region zum Frieden verhelfen

Von Dieter Buhl

Wenn just zum Beginn des Ramadan die Welle der Gewalt im Nahen und Mittleren Osten überschwappt, bestätigt dies wieder einmal die bedrohlichen Unwägbarkeiten in dieser Region. Im „heiligen Monat“ mag weiterhin das Gebot des Fastens und der Enthaltsamkeit gelten. Als Anlaß zu Buße und Besinnung jedoch hat die hohe Zeit der Muslims, wie die Ereignisse der vergangenen Tage zeigten, ihre Wirkung längst eingebüßt. Es fällt schwer, mit der jüngsten Eskalation des Schreckens Schritt zu halten, geschweige denn, sie zu verstehen. Zumeist aber führen ihre Spuren in die islamische Welt – ob ihre Vertreter nun Verursacher oder Opfer der Gewaltaktionen sind. Gleichzeitig haben die aktuellen Entwicklungen erneut deutlich gemacht, daß die gefährlichen Ausstrahlungen des Nahost-Konfliktes weit über die Krisenregionen hinaus reichen.

Das bewies die Kaperung der kuwaitischen Verkehrsmaschine, die das globale Fernsehpublikum mehr als zwei Wochen erschaudern ließ. Erst am Mittwochmorgen konnte die Welt aufatmen: Die Entführer ließen ihre Geiseln auf dem Flughafen von Algier frei.

Trotz des glücklichen Endes des Geiseldramas: Die Ermordung des Militärchefs der PLO, Abu Dschihad, belegt die Reichweite der nahöstlichen Spannungen ebenso wie die Zernierung der israelisch besetzten Gebiete und die brisante Zuspitzung des irakisch-iranischen Krieges.

Am nächsten aber ist uns die Bedrohung aus dem Morgenland gerückt, seit sich am Wochenanfang iranische und amerikanische Einheiten im Persischen Golf Gefechte lieferten. Selbst wenn die Teheraner Behauptung vom „Kriegseintritt der USA“ sich als Tartarenmeldung erwies: Die Weltmacht in den kabbeligen Gewässern des Golfs militärisch engagiert zu sehen, lädt nicht erst jetzt zu Horror-Szenarios ein. Die Bilanz des Schlagabtausches – zwei zerstörte Bohrinseln, fünf beschädigte oder versenkte Schiffe auf iranischer Seite, eine in Brand geschossene Bohrinsel und ein vermißter amerikanischer Hubschrauber auf der Gegenseite – bestätigt viele Befürchtungen. Und es kann noch schlimmer kommen.

Kampf gegen den „Großen Satan“