Nicht nur die Dominikanische Republik, auch Haiti ist – trotz der instabilen politischen Situation – ein beeindruckendes Reiseland. Die Herausgabe eines Reiseführers

Hispaniola; Karto + Grafik Verlagsges., Frankfurt 1987; 22,80 Mark,

ist begrüßenswert, das Ergebnis der verlegerischen Bemühungen jedoch zu beklagen; fast jede Seite bedarf der Berichtigung.

Geradezu lebensgefährlich ist es, die Tap-Taps für Überlandfahrten zu empfehlen. Das kann nur, wer keinen der schweren Unfälle gesehen hat. Sich mit einheimischen Booten auf die Ile de la Gonäve bringen zu lassen, ist aus Sicherheitsgründen ebenfalls nicht anzuraten. Der innerhaitianische Luftverkehr existiert entgegen den Angaben des Buches seit langem nicht mehr. Von einem „erheblich verbesserten Straßennetz“ zu schreiben, beweist nur die Unvertrautheit mit demselben: Ein Teil der Route Nationale von Port-au-Prince nach Cap Haitien besteht aus nids de poule (Schlaglöchern); für die 105 Kilometer von Les Cayes nach Jeremie benötigt der Reisende mit einem Allradfahrzeug vier Stunden. Es eben nicht aus, wenn man sich, wie der Verfasser für sich einräumt, nur „mit Händen und Füßen verständigen“ kann!

Der Führer veranlaßt den Reisenden zu einer Fahrt ins Blaue: Die für den 16. Juni am Bassin Bleu beschriebene religiöse Zeremonie (Seite 105) findet nämlich am 15./16. Juli in Ville Bonheur statt, einem mehr als 100 Kilometer entfernten Ort. Der nützliche Hinweis auf fehlende Hotels abseits der großen Straßen hätte gerade hier gutgetan. Wer „Le Reclif“ sucht, um dort ein „Presidente“ zu bestellen, hat das Nachsehen – das Restaurant heißt „Le Recif“, das einheimische Bier „Prestige“. Entfernungen werden zum Beispiel mit „unweit“ angegeben – wie soll der Leser wissen, daß damit 30 Kilometer gemeint sind?

In Montrouis gibt es die angegebene Tankstelle nicht. Dagegen fehlt der für die Routenplanung unerläßliche Hinweis auf die seltenen Tankstellen außerhalb der Hauptstadt. Daß der Artibonite dem Lago Enriquillo entspringt, ist nur in diesem Buch möglich; der Fluß müßte, wenn dem so wäre, ein Gebirge, die Sierra de Neiba, überwinden.

Die Zustände im Lande strafen die Behauptung Lügen, Baby Doc habe die „Tontonts Macoutes“ (sic!) abgeschafft. Aber die Realität scheint dem Verfasser insgesamt unbekannt geblieben zu sein. Wer vom zunehmenden Tourismus schreibt, dem sind die entweder dreiviertelleeren oder aber ganz geschlossenen Hotels ebenso entgangen wie der Umstand, daß die High Society in dem seit langern geschlossenen, weltberühmten „Oloffson“ keinen Drink mehr nehmen kann. Wer sich erstaunt darüber ausläßt, daß Hot dogs und Hamburgers kaum gefragt sind, hat nicht erkannt, daß die Haitianer für solchen „Luxus“ kein Geld haben.