Jet-setter lassen sich vom Flughafen Nice-Côte d’Azur mit dem Hubschrauber nach Monaco tragen, Genießer nehmen den Lokalzug von Nizza und schauen in die Gärten und auf die Terrassen der Villen zwischen Beaulieu und Èze. Am Bahnsteig von Monaco/Monte-Carlo hängt kollegial-hauptstädtisch der Pariser Metroplan, am Kiosk erklärt Kronjuwel Stephanie auf dem Titel einer Zeitschrift „Ich bin, wie ich bin!“, doch im offiziellen Büchlein über das Prinzenpalais umhalst sie nicht ihren umstrittenen Boyfriend, sondern immer noch ihre Teenagerliebe, einen gescheckten Schlappohrhund.

Den Vorplatz des Bahnhofs überschattet ein gewaltiger, knorriger Gummibaum, Zeuge des milden Klimas, das die Côte einst vor allem zum Winterziel machte – im Sommer schlossen die noblen Hotels. Ein sonniger Tag vor der Hauptsaison ist immer noch die beste Zeit, um den Zwergstaat ohne Touristenrummel zu durchstreifen, dann lebt er im eigenen mediterranen Rhythmus.

Nach wenigen Schritten bin ich mittendrin, im Zweitältesten Ortsteil La Condamine. Das Fürstentum mit dem Doppelnamen hat nämlich noch zwei weitere „Provinzen“. Der Markt ist duftende, bunte Augenweide wie überall im Midi. Nur sein Warenangebot läßt ahnen, daß es hier keine Armen gibt: Vom lindgrünen Broccoli über erste Spargel bis zum fahlen Stockfisch ist alles knackig und ohne Fehl.

Das superschnieke „Monte“ lasse ich diesmal buchstäblich links liegen. Was wissen die Damen, die dort im lavendelfarbenen Nerz von den Bellefipoque-Herbergen zu Van Cleef & Arpels oder Armani stöckeln und zurück, vom Rest des Landes? Mich zieht es rechts vom Markt hinauf über „A Rampa“ zum Palais der Grimaldi. Ein rot durchkreuztes Badehosenmännchen signalisiert, daß ungenierter Tourismus hier seine Grenzen findet und die noble Herrlichkeit beginnt. Die Palastwache – sommers in weiß – trägt zu schwarzen Uniformjacken, winterblauen Hosen und Deerstalker-Helm weiße Handschuhe und weiße Hundedeckchen auf blanken Schuhen. Das Schloß, eine Ausgeburt des 16. und 17. Jahrhunderts, wirkt von vorn besehen eher wie ein Grandhotel, doch zur Rechten ragt trutzig, was einmal ein Vorposten ghibellinischer Genuesen war und was ein Grimaldi mit List und Mut eroberte.

Gegenüber, gleich hinter der Kaserne der Carabinieri, tropft Wäsche in den engen Altstadtgassen, die hier zugleich rue und carrugiu heißen, singen vor Etagenfenstern Vögel aus Käfigen den schmalen Streifen blauen Himmels an, treffen sich, im Gewölbeladen eines Friseurs Monegassinnen zum Tratsch, treten Hausfrauen noch mittags im Morgenrock vor die Tür. Vor Tante-Emma-Läden liegen zwischen Porree und dicken Bohnen Champagnerflaschen, duftet es nach Pizza und Fischsuppe, klingt Glockenspiel von den Türmen, sprudelt Bergwasser aus Brunnen, lächeln die Fürstlichkeiten von tausend Postkarten, blickt hochnäsig ein Serenissimus aus einer Nische.

Die ganze Sippe, soweit der Stammbaum reicht, ist im historischen Wachsfigurenmuseum in der Rue Basse vereint, in Lebensgröße, teils in Originalkostümen, von Symbolen ihrer Epoche eingerahmt. Ein Schmunzelkabinett.

Andacht kommt ein paar Schritte weiter auf im außen gleißend hellen, innen fast lichtlosen Dom. Hier ruhen im Halbrund des Chors die Toten der Dynastie. Auf der Steinplatte, unter der seit 1982 Fürstin Gracia Patricia geb. Grace Kelly ruht, liegt täglich eine frische Rose.