DIE ZEIT

Mäuse melken

Auf Mäusepfoten kommt sie nun, die schöne neue Welt. Vor elf Jahren noch wiesen die amerikanischen Richter, die eine ölfressende Mikrobe patentierten, die Vorstellung von Patentrechten an höheren Lebewesen als „Schreckgespenst“ zurück.

Gewitter über dem Persischen Golf

Wenn just zum Beginn des Ramadan die Welle der Gewalt im Nahen und Mittleren Osten überschwappt, bestätigt dies wieder einmal die bedrohlichen Unwägbarkeiten in dieser Region.

Bleiben oder gehen?

Wie das? Bonn und Ost-Berlin stecken unter einer Decke? So behauptet es jedenfalls steif und fest der Ostberliner Bischof Gottfried Forck.

Ganz offen

Helmut Kohl darf zufrieden sein. Der CDU-Bundesvorstand hat die Leitanträge zum Parteitag im Juni so zugerichtet, daß kein mörderischer Richtungsstreit mehr zu erwarten ist.

An die Spitze

Werden sich am Ende zwei „Langweiler“ im Duell um die amerikanische Präsidentschaft gegenüberstehen? Weder Vizepräsident George Bush noch Michael Dukakis, der Gouverneur von Massachusetts, bieten den Amerikanern großen Unterhaltungswert.

Zeitspiegel

Fast gleichzeitig wollen Moskau und Peking im Juni Schönheitsköniginnen küren...............................................

Das doppelt gelobte Land

Selbst wenn die Zeiten, normal wären, gäbe es zu eitler Zufriedenheit keinen Anlaß. Selbst ein Land wie Israel – geboren unter unvorstellbaren Schmerzen, getroffen von Kriegen, gelitten unter der Feindschaft seiner Nachbarn und doch fortschrittlich geblieben, liberal beinahe, demokratisch, in seinem Umfeld geradezu ein kulturelles, technologisches, wissenschaftliches Wunderland –, selbst Israel also muß sich erst noch bewähren in seinen Werten und Hoffnungen.

Revolte gescheitert

War die, wenn auch knapp gescheiterte, Revolte konservativer Hinterbänkler zu Beginn dieser Woche etwa schon der Anfang vom Ende der Thatcher-Ära? War es das Datum, das Kommentatoren und Historiker einmal anführen werden, wenn es zu beschreiben gilt, wann der Abstieg der „eisernen Lady“ begann? Schließlich waren es rund fünfzig Abgeordnete, die sich der Fraktionsdisziplin verweigerten und sich weder durch Drohungen noch durch Versprechungen der chiefwhips zu einem Ja für das „Flaggschiff konservativer Gesellschaftspolitik“ bewegen ließen.

Warschau: "Sie waren unsere Brüder"

Warschau feierte den 45. Gedenktag des Getto-Aufstands von 1943 auf zweierlei Weise: Am 18. April enthüllte das offizielle Organisationskomitee einen Marmorblock am ehemaligen Umschlagplatz, von wo 300 000 Juden in das Vernichtungslager Treblinka abtransportiert wurden.

Wider die Sünde der Ausreise

Deutschland ist ein kompliziertes Vaterland. Da schafft es eine evangelische Synode, die Regierenden in Ost und West in Aufregung zu versetzen, weil sie Probleme beim Namen nennt – vor allem das Ausreiseproblem, bei dem sie der Bundesrepublik eine indirekte Mitverantwortung zuspricht.

Glasnost in Peking

Während in Pekings Großer Halle des Volkes die Abgeordneten des Nationalen Volkskongresses offener debattierten als je zuvor auf einer Sitzung des chinesischen Parlaments, tauchten auf dem Campus der renommiertesten Universität der Hauptstadt, der Beida, erstmals seit über einem Jahr wieder kritische Wandzeitungen auf.

China bleibt auf seinem Reformkurs. Doch die schnelle Modernisierung schafft neue Probleme. Deshalb lautet jetzt das Motto der Partei: Wachstum und Stabilität.: Am Goldenen Tor zum Kapitalismus

Ungefähr zwei Kilometer sind wir der holprigen Binhai-Küstenstraße gefolgt, als Herr Ye Baozhang den Wagen halten läßt, herausspringt, die Arme in großer Geste ausbreitet und sagt: „Hier!“ Zunächst bleibt unklar, was der bereits ergraute chinesische Funktionär mit der hochgeschlossenen Mao-Jacke und der etwas aus der Mode geratenen Ballonmütze meint, denn zu sehen ist nichts außer ein paar Palmen, Sumpfwiesen und abgekipptem Bauschutt.

Italien: Alte Koalition mit neuem Regierungschef

Der christdemokratische Parteichef De Mita stellte am Dienstag sein erstes Kabinett dem gelangweilt zuhörenden Parlament vor und gab eine Regierungserklärung ab – „ohne Illusionen“, wie er versicherte.

Tunis: Der Mord an Abu Dschihad

Abu Dschihad, der „Vater des heiligen Krieges“, starb unter den Augen seiner Frau und seiner Tochter – getroffen von siebzig Kugeln.

Galgen für Demjanjuk?

Vierzehn Monate hatte der Prozeß gegen „Iwan den Schrecklichen“ gedauert, der dreißig Jahre lang unbehelligt in Cleveland, im US-Bundesstaat Ohio als Automobilarbeiter gelebt hatte.

Düsseldorf: 13 Jahre Haft für Hamadi

Wegen Geiselnahme in zwei Fällen, Nötigung der Bundesregierung sowie wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verurteilte das Gericht den 29jährigen Deutsch-Libanesen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von dreizehn Jahren.

BONNER BÜHNE: Königssatz in Schachtelform

Montäglich kurz vor halb drei öffnen sich die Türen im Regierungsviertel, das ja recht eigentlich ein Zeitungsviertel ist, und Journalisten flanieren routiniert zur Bundespressekonferenz.

„Jetzt weht ein freier Geist“

Siebzehn Jahre hatten die Juden in der DDR keinen Rabbiner und so auch keinen Lehrer für den Glauben und das Leben. Endlich, vor einem halben Jahr, zog Isaac Neumann von Campaign im amerikanischen Bundesstaat Illinois nach Ost-Berlin.

Von New York nach Ost-Berlin

Margarete Laske hat keine eigenen Kinder. Dennoch ist sie für mich der Prototyp der „jüdischen Mame“ – die mütterlichste Frau, die ich kenne.

Steinerne Zeugen

Bet ha-chajim heißt "Haus des Lebens", es ist ein hebräisches Wort für Friedhof. Friedhöfe gehören in Deutschland zu den wenigen Orten, die an jüdisches Leben erinnern.

Todesstrafe in der Landesverfassung: Geduldiges Papier

In Rheinland-Pfalz haben die Grünen Staub aufgewirbelt: Verfassungsstaub. Überraschend für die anderen Parteien forderte Gernot Rotter, endlich die Todesstrafe aus dem Text der Landesverfassung zu streichen.

Historisierung des Nationalsozialismus?

Ihre Einwände liefern reichlich Stoff für unseren weiteren Gedankenaustausch. Sie zeigen natürlich auch die ganzen Schwierigkeiten eines deutsch-jüdischen Gesprächs über die Darstellung und Erinnerung der NS-Vergangenheit.

Koaliton der Geschröpften

Mit einer Anzeigenkampagne wirbt seit Anfang der Woche Finanzminister Gerhard Stoltenberg für die unpopuläre Steuerreform. Eines seiner Argumente lautet: „Unsere Steuerreform gibt Impulse, die im ganzen Land Kräfte freisetzen.

Umweltschutz: Kriminell

Nach dem Giftunfall bei Sandoz im Herbst 1986 war das Thema Umweltkriminalität in aller Munde. Ein eklatantes Vollzugsdefizit im Umweltstrafrecht wurde wortreich beklagt und belegt.

Wolfgang Hoffmann:: Die Rechnung geht nicht auf

Die Kritik an seinen Reformplänen, die Postminister Christian Schwarz-Schilling in der vergangenen Woche sowohl von der Mehrheit der Bundesländer als auch von einigen seiner Bonner Kabinettskollegen hat einstecken müssen, hätte weniger stabile Naturen wohl gleich resignieren lassen.

Bonner Kulisse

Daß die Chemie zwischen Menschen manchmal partout nicht stimmt, kommt vor. Gemeinhin trennt man sich dann mit Anstand, jedenfalls nicht so, wie das auf Spitzenebene des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) eingefädelt wurde.

Löhne: Trugschluß

Fast sind die Deutschen Weltmeister geworden. Mit 32,69 Mark pro Stunde nimmt die Bundesrepublik gleich hinter der Schweiz den zweiten Platz in der Weltrangliste der Lohnkosten ein.

Wichtigste Punkte der Reform

Das Sterbegeld fällt weg. Medikamente: Die Kassen zahlen nur noch Festbeträge für medizinisch notwendige und preiswerte Arzneien.

Italien: Rom steigt aus

Noch bevor Roms neue Regierungsmannschaft in der vergangenen Woche ihre Staatssekretäre auswählte, ordnete sie Arbeitsruhe am Bau des einzigen großen italienischen Atomkraftwerkes Montalto di Castro an.

Der kurze Traum vom Alleingang

Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand, das erkennen auch seine Gegner an, ist ein ausgebuffter politischer Taktiker.

Rente ohne Arbeit

Unter den Verteidigern des bestehenden Systems der gesetzlichen Alterssicherung breitet sich Bunkermentalität aus. Verwundern kann das nicht.

Markt-Report: Kurskorrektur

Das starke Auf und Ab der Kurse läßt den Aktienmarkt momentan als Schaukelbörse, erscheinen. Das hängt einmal mit dem Anlageverhalten der Großanleger und Teilen der privaten Bankenkundschaft zusammen.

Bank und Börse: Genügend Heilpflaster

Wenn die deutschen Großbanken der Presse ihre Bilanzen präsentieren, ist der Auftrieb allemal groß. Dann strömen Deutschlands Finanz- und Wirtschaftsjournalisten in Kompaniestärke in die imposanten Vortragssäle der drei Riesen im Frankfurter Bankenviertel.

Schlicht unzumutbar

Vogels: Diese „Weisen“ haben vorgeschlagen, daß der Aufsichtsrat gestrafft wird; auf der anderen Seite plädieren sie für einen Vorstand, in dem Abgesandte der vier Partnerfirmen vertreten sind.

MANAGER UND MÄRKTE

Eigentlich wollte der baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth mit seinem Wasserpfennig, der in Wirklichkeit bis zu zehn Pfennig betragen kann, einen wegweisenden Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Irgendwie siegen

Niemand weiß bisher, woher die Ersatzarbeitsplätze für die Rheinhausener Stahlwerker kommen sollen

Italien: Pakt mit dem Teufel

Das Interview erschien bei der Konkurrenz. Leonardo Mondadori, Teilhaber des größten italienischen Verlagshauses Arnoldo Mondadori in Mailand und damit auch Mitbesitzer der größten italienischen Tageszeitung La Repubblica (900 000 Auflage), beschwerte sich im Konkurrenzblatt Corriere della Sera (700 000 Auflage) über seine Verwandten und Partner.

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