In Rom nimmt eine neue Regierung ihre Arbeit auf – die neunundvierzigste in der italienischen Nachkriegsgeschichte.

Der christdemokratische Parteichef De Mita stellte am Dienstag sein erstes Kabinett dem gelangweilt zuhörenden Parlament vor und gab eine Regierungserklärung ab – „ohne Illusionen“, wie er versicherte.

Für düstere Dramatik hatte nach mehr als vier Wochen Regierungskrise kurz vorher ein schockierendes Ereignis gesorgt, das zugleich an Italiens untergründig stets gefährdete Stabilität erinnerte: Die Ermordung eines zwar wenig bekannten, doch engen Mitarbeiters De Mitas, des Senators und Verfassungsrechtlers Professor Roberto Ruffilli.

Terroristen der politisch totgesagten, kriminell jedoch auferstandenen Roten Brigaden hatten ihm im friedlichen Städtchen Forli aufgelauert und waren als Postboten verkleidet in seine Wohnung eingedrungen, um ihn durch drei Genickschüsse zu töten. Mit schluchzender Stimme rief De Mita an der Bahre des Freundes: „Roberto wurde als Symbol eines politischen Gedankens ermordet.“

Der Professor hatte in neuen Formen jene Linie der Democrazia Cristiana wiederbelebt, die vor zehn Jahren durch die Ermordung Aldo Moros unterbrochen, doch von De Mita, der sich als Moros Erbe sieht, seit Jahren vorsichtig wiederaufgenommen worden war: die Betonung der Gemeinsamkeiten aller Verfassungsparteien bis hin zu den Kommunisten.

Dies freilich nicht mehr im Sinne eines „historischen Kompromisses“ als Regierungsbündnis, sondern als gemeinsamer Anlauf zu Verfassungsreformen, die Italiens blockiertes politisches System durch alternativ wechselnde Koalitionen funktionsfähig machen könnten.

Im Ciriacco De Mitas Regierungsprogramm, einer nahezu lückenlosen Ansammlung guter Absichtserklärungen, spiegelt sich manches davon. Aber kaum etwas – weder der heillos überschuldete Staatshaushalt noch das Problem im immer weiter abdriftenden italienischen Süden oder die „institutionelle“ Reform – hat Aussicht auf entscheidenden Anstoß durch eine Regierung, an der fast nichts neu ist, außer dem Namen des Regierungspräsidenten.