Montäglich kurz vor halb drei öffnen sich die Türen im Regierungsviertel, das ja recht eigentlich ein Zeitungsviertel ist, und Journalisten flanieren routiniert zur Bundespressekonferenz. Für diesen Weg brauchen sie im Durchschnitt – bei Rot über die Ampel an der Heuss-Allee und Frotzeleien gegenüber herbeiströmenden Kollegen inbegriffen – fünf Minuten. Diesmal tritt auf der ausdruckslose, mißmutige Regierungssprecher nebst besser gelaunten Sprechern aus den einzelnen Ministerien.

Was gibt’s Neues, Herr Ost? Der Kanzler trifft den DGB, zwei Stunden lang. Sonst nichts Neues und auch keine Fragen an Friedhelm Ost. Vom Sprecher des Innenministers wollen wir brennend gerne wissen, wieso die Zahl der „Schmuggler-Aufgreifungen“ im Jahre 1987 um ein Drittel nach oben geschnellt ist, wo doch die Grenzen im Westen durchlässiger geworden sind. Am wachsamen Auge des deutschen Zöllners liegt’s, wissen wir nunmehr. Und da war schon die Bundespressekonferenz, aus, nach viereinhalb Minuten.Dafür haben wir uns insgesamt zehn Minuten durch den Frühling geschmuggelt – ohne heiße Ware aufzugreifen.

Die CDU da oben in Schleswig-Holstein solle gefälligst endlich „in die Püschen“ kommen, mahnt ungeduldig die FDP aus Bonn an. Das ist verständlich. Barschel am Hals und Stoltenberg am Bein unterzieht sich die Union einer absolutionslosen Bußübung unter dem Vorwand des Wahlkampfes. Kein Wunder, daß die FDP aus der Prozession ausbrechen möchte.

Welches Echo die Wahl am 8. Mai in Bonn finden mag? Unfrohe Denkspiele bei der Union: Lieber eine absolute Mehrheit der SPD als eine SPD/FDP-Zwangskoalition, denn dann ginge sie ja wieder los, die Diskussion um den Koalitionswechsel in Bonn in den neunziger Jahren.

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Lange muß man in den Annalen blättern, um auf eine vergleichbar friedliche, intelligente, angenehme Rüstungsdebatte zu stoßen. Bloße Berechnung? Eher wohl doch Stand der Dinge.

Genschers Königssatz in Schachtelform: „Im nuklearen Zeitalter sind Strategien so anzulegen, daß sie einen wechselseitigen politischen Zwang bewirken, militärische Auseinandersetzungen nicht entstehen zu lassen, Konflikte nur noch auf dem Verhandlungsweg zu lösen und von der Konfrontation zur Zusammenarbeit zu gehen.“ Dafür Applaus auch von Karsten Voigt (SPD). Dessen Dreingabe: Wenn auf deutschem Boden gemäß INF-Abkommen verifiziert werde, sollten die Deutschen von den Erkenntnissen in Kenntnis gesetzt werden, „also der Schritt von den vier im Jeep zu den sechs im Jeep“. Petra Kelly gab einige Wermutstropfen hinzu: Gut, daß die Mittelstreckenraketen abgezogen werden, schlecht aber, daß ihre Sprengköpfe nicht zerstört werden.