In einem Frankfurter Hinterhof liegt ein Toter. Man hat ihm die Kehle durchgeschnitten. Er war Kritiker von Beruf.

Dr. Rieber starb durch die Hand eines kunstsinnigen Antiquitätenhändlers – ein Liebhaber des Cellos, ein durch und durch seriöser Herr, das graue Haar gescheitelt, eine Mischung aus Loriot und dem Bundespräsidenten. Dieser Ramm hatte eine Nichte, die auf das schönste die Welt ihres Onkels bestätigt. Jung war sie, arglos und begabt (Cello!) kurz: eine Hoffnung. Bis Doktor Rieber kam, ganz offenbar kein Hofberichterstatter. Mit unschönen, dafür deutlichen Worten verriß Rieber Ramms Nichte, die vom Zeitungskiosk erst gar nicht mehr zurückkehrte, sondern gleich in den Tod ging. Kein Wunder, daß Ramm, vom Freund des toten Kritikers erpreßt, auch den noch tötete.

Am Ende von Heinz Schirks "Tatort" hatte man das Gefühl, jetzt endlich könnte Ramm wieder in Ruhe Cello spielen, in einer schöneren, einer kritiklosen Welt.

Wir blicken gerade in das offene Grab des Kollegen, als auf flinken Plattfüßen ein beleibter Mensch auf dem Friedhof erscheint. Wie selbstverständlich beugt er sich über das Grab und spuckt auf den Sarg. Das muß man verstehen: Dieser Mann ist Schauspieler, Doktor Rieber hatte ihn verrissen. Gerade damals hatte sich der Intendant eines großen Theaters bei ihm angesagt (und war nach Lektüre der Zeitung nicht erschienen). Bebend erklärt der Bühnenkünstler dem Kommissar sein Verhalten. Auch er: ein Opfer der Widerrede.

Um es endlich auszusprechen: Doktor Rieber war nicht nur Kritiker, gleich schlimm, er war auch homosexuell, ein Trinker dazu, der seine Zeit in Spielhöllen verbrachte, als ihn seine Zeitung nicht mehr haben wollte. Ramm dagegen: einsame Nächte am Cello. Wer, außer der Justiz, wirft den ersten Stein?

"Die Brüder" hieß dieser "Tatort", weil gleichzeitig ein Kommissar aus purem Neid seinen Stiefbruder des Mordes an Rieber überführen wollte. Schlechtgelaunt, unattraktiv und verklemmt: der Verfolger. Je mehr diesem angeblich benachteiligten, im Grunde ziemlich gewöhnlichen Mann klargemacht wird, daß seine Rolle im Leben nicht Karl, sondern Franz Moor heißt, desto jäher wird er zur Kanaille. Erst spioniert er seinem Bruder nach, dann jagt er ihn. Schon greift er zur Pistole. Auf der Flucht läuft der Gehetzte vor ein Auto.