Es ist eine etwas undankbare Aufgabe, einen Kunstreiseführer über eine Region zu schreiben, der das Geld ausgegangen ist, ihr kulturelles Erbe zu pflegen. Herausgekommen sind trotzdem etwas mehr als 300 Seiten mit ein paar sehr schönen Farbaufnahmen, die Kirchen, Burgen, Abteien, alle so gut wie menschenleer, zeigen, aber letztendlich handelt es sich nicht um die Menschen, sondern um die Kunst und, im Falle der Ardennen, „einer alten Kulturlandschaft im Herzen Europas“, auch um die Landschaft.

„Die Ardennen“, von Detlev Arens; DuMont, Köln 1988; 38 Mark.

Man muß es dem Autor lassen, er hat akribisch recherchiert und aufgezeichnet. Keine Kirche, kein Brunnen, keine Kalksteinformation ist ihm entkommen. Und auch die Vorgeschichte der Städtchen und der Bauten ist ausführlichst mit Namen und Daten belegt, was oft den Eindruck vermittelt, daß wir ein in netten Sätzen zusammengeschriebenes Verzeichnis vorliegen haben und leider kein Lesebuch. Das skurrile Bücherdorf Redu hat bestimmt mehr verdient als einen Absatz, und ist der Graphiker Félicien Rops nur einen Satz wert?

Nun haben nicht alle Touristen Feuilleton-Ansprüche an ihren Reiseführer. Möglichst vollständig und informativ soll er sein. Das ist dieser gewiß. Auf der nächsten Fahrt an die Côte d’Azur wird man vielleicht nicht nur Belgiens beleuchtete Autobahnen bewundern. Warum nicht mal von der Spur abweichen, einfach abfahren... L.R.