London, im April

War die, wenn auch knapp gescheiterte, Revolte konservativer Hinterbänkler zu Beginn dieser Woche etwa schon der Anfang vom Ende der Thatcher-Ära? War es das Datum, das Kommentatoren und Historiker einmal anführen werden, wenn es zu beschreiben gilt, wann der Abstieg der „eisernen Lady“ begann? Schließlich waren es rund fünfzig Abgeordnete, die sich der Fraktionsdisziplin verweigerten und sich weder durch Drohungen noch durch Versprechungen der chiefwhips zu einem Ja für das „Flaggschiff konservativer Gesellschaftspolitik“ bewegen ließen. So hatte die gestrenge Chefin selbst die neue Gemeindesteuer bezeichnet und wohl erwartet, daß der Fall damit erledigt sei.

Ein Warnsignal stellt die Widerborstigkeit der Abgeordneten in jedem Falle dar! Sie stießen sich, getrieben von schlechtem Gewissen oder Angst vor der späteren Wählerquittung oder einer Mischung aus beidem, vor allem an einem Merkmal, das allen Reformen gemein ist, die die Regierung in den letzten Wochen in atemberaubendem Tempo durchs Parlament zu peitschen versucht. Ob Sozialstaatsreform, ob Steuererleichterungen oder Korrekturen am Nationalen Gesundheitsdienst – stets, zählen die Habenichtse in Großbritannien zu den Verlierern, und die Wohlhabenden werden über Gebühr begünstigt.

Die Gemeindesteuer ist in dieser Kollektion ein besonderes Prachtexemplar – sollen künftig doch Schloßbesitzer und Sozialmieter exakt den gleichen Betrag zahlen. Um das „unakzeptable Antlitz des Thatcherismus“ mit etwas sozialem Make up zu versehen, hatte der Initiator der Rebellion, bislang ein getreuer Gefolgsmann der Premierministerin, eine sozial gestaffelte Version der Steuer vorgeschlagen. Jetzt darf er darauf hoffen, daß die Lords im Oberhaus sich seiner Sache annehmen werden.

Frau Thatcher wird sich von dieser Episode wohl nicht weiter beeindrucken lassen. Jedenfalls wäre das ganz gegen ihre bisherige Art. Widerstand läßt sie, wie eine lange Liste der Beispiele von Falkland über Europa bis hin zum Bergarbeiterstreik zeigt, nicht zurückzucken, er beflügelt sie vielmehr. Diese Eigenschaft hat sie weltweit zu einer dominierenden und bewunderten Politikerpersönlichkeit gemacht. Sendungsbewußtsein und Entschlußkraft von Margaret Thatcher bergen aber ein Risiko in sich. Denn wird sie in der Lage sein, die Warnzeichen zu erkennen, die eine Kurskorrektur zwingend nahelegen? Aber die zu vollziehen, wäre ihre Sache dann ohnehin nicht mehr. J.K.