Recht optimistisch war die Grundstimmung auf der diesjährigen Tagung der Libellenforscher, genauer: der „Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen“ (GDO) in Hamburg. Denn die Zukunfts-Aussichten für die schillernden, zerbrechlich scheinenden Libellen haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, auch wenn zum Jubeln noch kein Anlaß besteht.

Die Libellen profitieren von ihren bescheidenen ökologischen Ansprüchen. So verbringen sie den größten Teil ihres Lebens als räuberische Larven im Wasser. Dabei ist weniger dessen chemische Güte von Bedeutung, sondern daß minimale ökologische Randbedingungen erfüllt sind. Bereits sehr kleine Areale genügen ihnen, um wieder Fuß zu fassen. Kurze, renaturierte Bachabschnitte oder kleine Tümpel, ja sogar künstlich angelegte Gartenteiche genügen einigen Arten schon als Existenzgrundlage. So hat sich zum Beispiel auch gezeigt, daß das ökologisch zerstörerische, regelmäßige Ausbaggern von Entwässerungsgräben von den Libellen recht gut verkraftet wird, wenn nur ein kurzer Grabenabschnitt oder ein Nachbargraben vom Baggerzahn verschont bleibt.

Von den 56 in der Bundesrepublik noch heimischen Libellenarten sind es offenbar nicht nur die ausgesprochenen Pioniere, die mit großer Vitalität geeignete Lebensräume wieder besiedeln. Auch viele andere, seltenere Arten stellen sich ein, wenn nur die entsprechenden Bedingungen, auf die sie meist stark spezialisiert sind, wieder geboten werden.

Positive Erfahrungen machten die Libellenforscher zum Beispiel mit einem Bach im Osten Hamburgs, der Wandse. Einige hundert Meter des kanalisierten Bachlaufes wurden vor wenigen Jahren wieder in das ursprüngliche, gekrümmte Bett zurückverlegt. Binnen kurzer Zeit waren auch seltenere Libellenarten an dem mäandrierenden Bachabschnitt wieder vertreten. Nur wenn die nächsten Vertreter einer Spezies über hundert Kilometer weit entfernt leben, ist es sinnvoll, mit Einsetzen von Larven einer Wiederansiedelung nachzuhelfen.

Positiv auf den Libellenbestand wirkt sich auch die Wiederbewässerung abgelassener und zum Teil ausgeschlachteter Moore aus sowie der Schutz von Uferzonen vor mechanischen Störungen, wie sie häufig von Wassersportlern verursacht werden. Auch die Reduktion eines übermäßigen Fischbesatzes kommt den Libellen zugute. Hoffnungen setzen die Odonatologen auch auf die geplanten Stillegungen landwirtschaftlicher Nutzflächen. So manch überdüngter, pestizidbelasteter Tümpel, Teich oder Graben könnte sich dann zu einer kleinen Oase entwickeln und zumindest bei so vitalen Tieren wie den Libellen ökologische Schäden wieder wettmachen. Christian Weymayr