Ludwig van Beethoven: "Violinkonzert"

Endlich gebe es wieder, tönen Funktionäre und Manager voller Stolz, einen "deutschen" Geiger, der draußen vorgezeigt werden könne: Frank Peter Zimmermann. (Ein Mann muß also her, Anne-Sophie Mutter, kaum zu glauben, bleibt in so chauvinistischer Gesinnung außen vor.) Weltklasse-Geiger wolle er werden, hatte der Sohn eines Cellisten und einer Geigenpädagogin ins erste Heft der Duisburger Grundschule geschrieben – eine Traumvorstellung, die der Zehnjährige der Realität beachtlich näher rückte, als er mit dem Orchester seiner Heimatstadt in Mozarts G-dur-Konzert debütierte. Diesen "Einstand" krönte der Sechzehnjährige 1981 mit dem Paradestück der "Klassik", Beethovens Violinkonzert, an gleicher Stelle. Den Sprung in die Weltkarriere hat der inzwischen Dreiundzwanzigjährige in der Tat vollzogen: In Europa wie Japan, in der UdSSR wie in den USA zählt er zur internationalen Spitzenklasse. Wenn ihm auch die Gradlinigkeit des steilen Aufstiegs zu schaffen macht: Was an Sinnlichkeit und Gefühlsausdruck noch fehlt, macht Zimmermann allemal wen mit grundsolidem Handwerk und genuiner Musikalität. Das Beethoven-Konzert, dem die beiden Romanzen hinzugefügt sind, erhält in der Interpretation des Duisburger Hoffnungsträgers eine bestechende solistische Qualität. Nur unzureichend freilich wird sie unterstützt vom sinfonisch aufgeblähten English Chamber Orchestra und dem gängige Partiturangaben mißachtenden Dirigenten Jeffrey Tate. (EMI CDC 7 49737 2)

Peter Fuhrmann

Daniel Schnyder: "Secret Cosmos"

Manchen Musikern läßt es keine Ruhe: Immer wieder versuchen sie eine möglichst innige Vereinigung der "ernsten" Musik mit dem Jazz. Zu ihnen gehört der 1961 in Zürich geborene, jetzt in München lebende Komponist Daniel Schnyder, der Cello, Saxophon und Flöte spielen lernte, im Schulorchester saß, früh Bands um sich versammelte, dann am Berklee College of Music in Boston studierte. Mit seinem "Modern Art Septet" – sechs in Orchestern und als Solisten erfahrenen Blech- und Holzbläsern und einem Kontrabassisten – spielt er hier sieben eigene Kompositionen. Es scheint, als habe er seine Vorbilder in der älteren zeitgenössischen Musik der zwanziger bis fünfziger Jahre und beim distinguierten Bigband-Jazz gefunden. Er liebt die wohlklingende, wohlgeordnete Musik. Es gibt in den unauffällig gegliederten Stücken immer schöne Themen, über die am liebsten das Saxophon und der Baß duettieren, sich die Flöte dazuholen, dann die Bläser als warmes federndes Fundament. Gar keine Frage: exquisiter Satz, originelle Instrumentierung, die Improvisationen gescheit geplant, erstklassig gespielt. Doch das Feuer, das in den ersten drei Stücken dann und wann auflodert, glimmt in den anderen nur artig weiter: ordentliche, aber keine wirklich strahlende Musik, auch in den versonnenen, mattgetönten, anrührenden Partien, nicht wirklich packend, nur romantisch – und das besonders im letzten, einem schönen Flötenstück, das einen in die Arme nimmt. (Enja Records 5055)

Manfred Sack