Von Ulrich Stock

Wo kann man das beginnende Frühjahr besser erleben als in einer Messehalle? Ich betrat also die Halle 6 auf dem Hamburger Messegelände, und fast hätte ich die Frau vor mir umgerannt, die plötzlich stehenblieb, um einen tiefen Atemzug zu nehmen. "Ach, Frühling", seufzte sie ihrer Freundin zu. Wirklich, Grün lag in der Luft. Und dann sah ich den auf Beton ausgerollten Rasen, roch ihn, roch die Teichlandschaft, das Wasser, hörte einen Hahn krähen, sah die Blumen, Blumen!, rote, gelbe, ach, wüßt’ ich doch die Namen, so richtig Natur.

Gleich vornan der erste Stand zog mich, den Gartenfreund, in seinen Bann, ein Stand, kein Stand eigentlich, sondern ein kleiner Garten, um nicht zu sagen ein Kleingarten. Und mit mir, neben mir, drängten die Kleingärtner auf die Wege aus gehäckselter Borke, Rindenmulch genannt.

Die Attraktion vor der Schreberlaube war ein Hügelbeet. Aus der Laube stieg der Duft frischgebrühten Kaffees in die Halle, vor der Hütte im Hügelbeet dampfte der Kaffeesatz der Kompostierung entgegen. "Der ist gut für die Regenwürmer", hörte ich einen Experten erklären. "Und was der Regenwurm ausscheidet, ist der beste Dünger, so was Feinkrümeliges." Er sprach über Verrottungswärme, Fruchtfolgen und die Unsitte, immer noch weit verbreitet, alles in den Ascheimer zu werfen.

"Ich bin mit den Tomaten obenauf nicht glücklich", erwiderte eine Besucherin, "das Hügelbeet trocknet leichter aus." "Nun hatten wir auch zwei schlechte Sommer", sagte der Experte, "das waren keine Tomatensommer."

"Ja", stimmte die Frau zu. "Und Sie ziehen hier auch Löwenzahn und Brennessel?"

"Ja, da ist viel Vitamin drin. Aber man muß den Löwenzahn jung essen. Wenn er blüht, ist er bitter."