Nach dem Attentat auf einen PLO-Funktionär brachen in den von Israel besetzten Gebieten neue schwere Unruhen aus.

Abu Dschihad, der „Vater des heiligen Krieges“, starb unter den Augen seiner Frau und seiner Tochter – getroffen von siebzig Kugeln. Ein Killerkommando ermordete den Militärchef von Al Fatah, der stärksten Organisation innerhalb der PLO, am 16. April kurz nach Mitternacht in seinem Haus in Sidi Bou Said bei Tunis.

Die Nachricht vom Tode des zweiten Mannes hinter Jassir Arafat löste tags darauf in den von Israel besetzten Gebieten die blutigste Rebellion in den vergangenen zwanzig Jahren aus. Zehntausende Palästinenser versammelten sich zu Trauermärschen in den Straßen von Gaza, Nablus und anderen Orten und forderten Vergeltung für die Ermordung Chalil el Wasirs, wie Abu Dschihad mit bürgerlichem Namen hieß. Neunzehn Palästinenser wurden von israelischen Soldaten erschossen. Die Besatzungsmacht verhängte Ausgangssperren, um die Unruhen einzudämmen.

1935 als Sohn eines Bäckers in Ramiah bei Tel Aviv geboren, zog Abu Dschihad nach der Vertreibung durch die Israelis 1948 nach Gaza und floh acht Jahre später nach Kairo. Dort studierte er Jura und lernte Arafat und Salah Chalef kennen, mit denen er die Guerillagruppe Al Fatah gründete.

Der enge Vertraute Arafats galt zuletzt als gemäßigter PLO-Mann. Er war allerdings für viele Terroranschläge gegen Israel verantwortlich und soll die Kommandoaktion auf das israelische Team während der Olympischen Spiele 1972 in München mitgeplant haben.

Die PLO machte Jerusalem für das Attentat verantwortlich und kündigte Racheakte an. Arabische und auch israelische Zeitungen schrieben die Bluttat dem Geheimdienst Mossad zu. Nach Berichten der amerikanischen Fernsehanstalt NBC soll die Aktion sogar von der Regierung beschlossen worden sein. Während das Außenministerium in Jerusalem alle Vorwürfe bestritt, forderten radikale Israelis die Beseitigung weiterer Guerillaführer.

An Mittwoch wurde Abu Dschihad in Damaskus beerdigt. Auf Antrag Tunesiens beschäftigte sich der UN-Sicherheitsrat mit dem Mord von Tunis. ill