Erstmals untersuchen jetzt Mitarbeiter der Universität Wuppertal die Gefährlichkeit des Trampens. Auftraggeber ist das Bundeskriminalamt (BKA).

Für die ungewöhnliche Zusammenarbeit von Uni und BKA sorgte vor allem die Nähe zum Thema: Bereits vor Jahren waren die Wuppertaler Wissenschaftler mit einschlägigen Arbeiten hervorgetreten.

Im Rahmen eines Verkehrsversuches „Zusteiger-Mitnahme“ ging es damals um öffentlich unterstütztes Trampen als Ergänzung des Nahverkehrs in ländlichen Gebieten. Allerdings erwies sich die Idee eher als Flop, es machte kaum jemand mit. Nach den Worten von Tramp-Forscher Rolf Hoppe lag das vor allem an dem schlechten Image, das Anhaltern noch immer vorauseile.

Mit Informationsdefiziten in Sachen Trampen haben offenbar auch die Strafverfolgungsbehörden zu kämpfen. Vor allem bei der Frage nach der Gefährlichkeit dieser Form des Reisens sind Polizeibeamte bislang eher auf Mutmaßungen angewiesen. Michael Bauermann, beim BKA mit Opferforschung beschäftigt: „Es fehlt die empirische Basis.“

Nach Untersuchungen von Bauermann, die allerdings auch schon wieder Jahre zurückliegen, leben Anhalter und auch Anhalterinnen weniger gefährlich als vielfach angenommen. Wie die Ermittlungen ergaben, war bei rund 600 von insgesamt 13 000 registrierten Fällen in einem Jahr das Auto der Tatort. Wie die Kriminalisten herausfanden, ereignen sich die meisten Sexualverbrechen im sogenannten „sozialen Nahraum“. Nicht selten seien Bekannte oder Verwandte die Täter und die Wohnung des Opfers Schauplatz der Straftat.

Auf Grund dieser Erkenntnis, so der BKA-Beamte, haben sich so manche polizeilichen Vorbeugeprogramme im nachhinein als „falsch“ erwiesen. Insbesondere solche, die den Tramper immer wieder ganz allgemein und düster „vor dem bösen Onkel“ am Steuer warnten.

Sinnvoller erscheinen Bauermann dann schon die Empfehlungen, möglichst nicht alleine zu trampen, und der Vorschlag, mehr Frauen sollten Frauen mitnehmen. Das gilt vor allem auch für das Trampen auf dem Lande. Die meisten Sexualstraftaten ereignen sie nach wie vor dort, wo am Wochenende jugendliche Diskothekenbesucherinnen keine Möglichkeit mehr haben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu kommen.

Manchmal, so meint der BKA-Psychologe, genüge ein kurzer Blick der Tramperin, um die Gefahr im Falle einer gemeinsamen Fahrt zu erkennen. Fehlten etwa Türgriff und Sicherheitsknopf am Platz des Beifahrers, dann sei dies jedenfalls mehr als Grund genug, nicht einzusteigen. hbk