Die Donau und die Enns, Linz und Steyr, der Atter- und der Traunsee, das Inn- und das Mühlviertel, das Salzkammergut und die Region Pyhrn-Eisenwurzen, Industrie und Wälder, Gotik und Barock, Adalbert Stifter und Alfred Kubin, all das gehört zu Oberösterreich. Diese Vielfalt auch nur annähernd adäquat in ein paar Aufsätzen abzuhandeln, ist ein schweres Unterfangen. Zwangsläufig muß Enttäuschung aufkommen bei der Lektüre des Merianheftes „Oberösterreich“ (164 Seiten, 12,80 Mark).

Christian Brandstätter eilt zu Beginn in einer Parforcetour durchs Land und setzt die wichtigsten Akzente, bevor er sich in Erinnerungen an seine Schulzeit verliert. In persönlichen Sentimentalitäten schwelgen leider noch mehr Autoren. Dennoch läßt die kundige Einleitung Neugier aufkommen, ebenso wie die ersten Farbseiten, die durchaus eine Ahnung von der landschaftlichen Vielfalt vermitteln. Dann jedoch folgt eine bunte Reihe von Aufsätzen; die Logik der Themenauswahl wird nicht zwingend klar. Ein paar kenntnisreiche, mit Interesse zu lesende und informative Artikel sind dabei, über die Landeshauptstadt Linz zum Beispiel, über das Mühlviertel, auch über den herrlichen Kefermarkter Altar. Daß das Stift Kremsmünster mit seiner jahrhundertealten Geschichte stellvertretend für die zahlreichen Klosteranlagen steht, gibt einen Sinn, ebenso der ausgezeichnete Beitrag über die Stadtplätze, der viel über die kleinen Städte der Region aussagt.

Was aber haben Anekdoten über den „Schürzenjäger“ Anton Bruckner mit dem Land Oberösterreich zu tun, noch dazu unter der unsäglichen Artikelüberschrift „Mein Gott, Anton“, die an Geschmacklosigkeit nur noch übertroffen wird durch den Ausruf „Mein Gott, Hitler“ in dem Artikel über Braunau? Was soll ein Interview mit Thomas Bernhard, das sich in den Kulissen Wiens abspielt und in dem die einzige Anmerkung des Meisters zu Oberösterreich aus einem winzigen Absatz über sein Haus in Ohlsdorf besteht? Der gipfelt darin, daß der Dichter wegen der leidigen Touristen eh nicht mehr dort wohnen kann. Es gibt auch andere des Schreibens Mächtige, die eine Verbindung zu Oberösterreich haben.

Einer ganzen Region gerecht zu werden, ist schwierig, wo man doch schon allein mit dem Mühlviertel mühelos ein Heft füllen könnte. Die Donau fließt durch Oberösterreich, an ihrem Ufer gibt’s eine so zauberhafte Stadt wie Grein, gibt’s Wander- und Radfahrwege, bei Merian gibt’s für die Donau nur ein Bild und keinen eigenen Artikel. Das Salzkammergut, von dem ohnehin viele meinen, es läge dem Namen entsprechend im Salzburger Land und nicht zu einem guten Teil in Oberösterreich, findet nur am Rande statt.

Daß von Sport die Rede sein könnte, zu dieser Annahme verleitet lediglich das Titelbild. Das zeigt einen Paraglider im Anflug auf den Traunsee (auch die Seen übrigens werden weitgehend ignoriert). Es ist ein Photo, das nicht eben signifikant für Oberösterreich ist und schon gar nicht für die Artikel im Heft. put