Die Falken in Israel haben ihrem Land einen Bärendienst erwiesen.

Die „Kölnische Rundschau“ in einem Kommentar am 18. April 1988

Das Geld ist willig

Ja, Geld! Das haben wir gern, davon können wir nicht genug haben. Und Geist? Auch nicht schlecht. Warum nicht? Aber: Geld und Geist! Das wärs doch endlich, das wäre doch geradezu ideal, wäre, wie soll man sagen... wäre es nicht FAZ oder so ähnlich? Es ist, Freunde des Geistes und Freunde des Geldes, es ist FAZ! „Geist und Geld“ ist der Titel einer „Verlagsbeilage zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die uns allen, die wir entweder zuwenig Geist oder zuwenig Geld haben, zeigt, daß beide (Geist und Geld) nicht etwa, wie wir Kleinmütigen allzu oft dachten, einander im Wege sind, sondern sich ergänzen, aufs Schönste beflügeln. Aus Geld wird Geist und aus Geist Geld, es ist, liest man diese Beilage, einfach geil. Das Titelbild zeigt „Sonderprägungen deutscher Münzen“, und da sehen wir die Brüder Humboldt und Lessing und Kleist und Fontane, und die Unterzeile lautet schlicht und wahr: „Geld ehrt Geist“. Aber, so fragen wir uns bang, während wir die ebenfalls bang fragende Titelzeile lesen: „Werden die Aktienmärkte zu neuen Höhenflügen ansetzen?“, welche Frage bündig beantwortet wird mit dem Hinweis, der deutsche Markt steuere „auf eine solide Grundlage“ zu und „für den privaten Anleger sollte dadurch die Aktie wieder vermehrt an Aufmerksamkeit und Bedeutung gewinnen“ – wir also fragen uns: Ehrt auch der Geist das Geld? Kein Geringerer als der Hessische Ministerpräsident Walter Wallmann ist es, der sich an die Front des Geistes wirft, um in einem Leitartikel und zugleich Grundsatzessay zu zeigen, welch Geldes Kind er ist. Schon der erste Satz zeigt die Dimensionen seines Zugriffs: „Die wirtschaftliche Bewältigung der Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, bedarf des ständigen Bemühens und der Suche nach neuen Lösungsmöglichkeiten und Lösungsansätzen.“ Ist das nicht trefflich bemerkt? Es zeichnet den Geistesmenschen bekanntlich aus, daß er von Anfang an ins Zentrum zielt! Aber weiter: „Anstöße und Impulse können nicht als selbstverständlich vorhanden in dem gesellschaftlichen Subsystem Wirtschaft angesehen werden. (Oh diese gewaltig drängende Satzmelodie!) Kunst und Wissenschaft sind die Bereiche, aus denen die Impulse kommen, die Inventionen und Innovationen auslösen.“ Vom Impuls zur Invention zur Innovation, so dürfen wir den schönen Dreiklang Wallmanns zusammenfassen, kommt die Wirtschaft nicht alleine, sie braucht die Kunst. Denn: „Künstlerische Leistungen erhöhen den materiellen und immateriellen Kapitalbestand einer Wirtschaft. Gleichzeitig ist Kunst selbst ein Wachstumsfaktor in einer modernen Gesellschaft.“ Danke schön, Walter Wallmann! Daß wir (also wir Leute vom Geist) zum „immateriellen Kapitalbestand“ zählen, macht uns ganz schön froh. Allerdings nicht reich.

Frauenplunder

Auf einmal fiel es dem ZDF-Intendanten Stolte ein, daß die Zeit reif sei für ein „Frauenjournal“. In Frau von Welser fand er eine passende Frauenjournalistin, welche über die rechten Frauenqualitäten verfügt. Sie ist nett, adrett, ausreichend harmlos und im Damenteegeplauder geübt. Während sich in Bonn eine Sensation zuträgt, wendet sich das Frauenjournal mit dem verschlüsselten, aber jederfrau bekannten Titel Mona Lisa dem wirklichen Leben zu. Sollen sich die Parteifrauen doch im Bundestag, über alle Parteigrenzen hinweg, verbünden, um die reaktionäre und heuchlerische Verschärfung des Paragraphen 218 zu verhindern – hier fragte Maria von Welser bei ihrem ersten Moderatorinnenamt am vorigen Sonntag vom Sofa aus erstens die fünfzigjährige Mutter und Schauspielerin Erika Pluhar, ob sie Angst habe, alt zu werden, und ob sie, zum Beispiel, André Heller nochmal heiraten würde. Sie ließ zweitens die Ehefrau, Mutter und Schauspielerin Claudia Cardinale befragen, ob sie denn wirklich alle ihre Berufe miteinander verquicken könne. Drittens wollte sie von der Frauenblatt-Chefredakteurin Charlotte Seeling hören, ob sie Wert darauf lege, ständig gut angezogen zu sein. Von einem Illustrierten-Astrologen ließ sie sich erzählen, daß den Stierfrauen ein blendendes Jahr bevorstehe, sofern sie nur „neue Strukturen ziehen“. Rasch und ohne allzu hinderliche Gedanken ließ sie, fünftens, die monetären Folgen vorrechnen, die das Bundesgerichtsurteil für die Bevorzugung der (geschiedenen) ersten Ehefrau dem ehemaligen Ehemann auflädt. Sodann wurden die Zuschauerinnen mit einer affigen Modenschau veralbert und von einem französischen Schnellkoch schnell wieder in die Küche abgeschoben, wohin sie ja gehören. Und weil alles so fix ging, riet man ihnen, sich schleunigst eine gewisse bunte Illustrierte zu kaufen, um alles noch einmal nachzulesen und das Zeitschriften-, Mode- und Küchengeschäft zu beleben. Ist Frau von Wesel vielleicht auch nur eine Schauspielerin? Und die wahre Frau ein Mann? O Emma, wohin soll das nur wieder führen!