Modesommer

Fast gleichzeitig wollen Moskau und Peking im Juni Schönheitsköniginnen küren. Wem eifern die Sowjets und Chinesen nach? Besteht Nachfrage bei den Genossen an der Basis oder treibt modebewußte Funktionäre eine Variante von perestrojka voran, die endlich auch der Lebensfreude ihren Platz zuweist? Vor allem: Worin besteht jetzt noch jener feine Unterschied, der den erwünschten Reformkommunismus vom verwünschten Kapitalismus trennt? Etwa darin, daß die Moskauer Mädchen statt nahezu hüllenlos in Selbstgeschneidertem auftreten? Oder darin, daß die chinesischen Anwärterinnen auf den „Jugendvitalitätspreis“ ebenso nach ihrem Wissen und ihrer Moral beurteilt werden sollen wie nach Erscheinung und Outfit?

Vom Himmel hoch

Alljährlich scheidet in Japan eine stattliche Zahl von Verwaltungsbeamten aus dem Staatsdienst aus, um sich anschließend in der Privatwirtschaft zu verdingen. In diesem Jahr waren es 262 rüstige Rentner; sie sind in Konzernen und Kompanien hochwillkommen: Dort nennt man sie amakudari, Himmelsboten. Denn die frisch Angetretenen sind bestens informiert und legen heiße Drähte zwischen Chefetagen und Regierungsstellen. Dadurch erfahren die Unternehmer früh von gewinnversprechenden staatlichen Projekten oder von wirtschaftspolitischen Wetterstürzen. Kein Wunder, daß ausländische Unternehmen in Nippon oft das Nachsehen haben und sich über die Aktivitäten der amakudari erregen: Gegen Himmelsboten mit Bürokraten-Vergangenheit ist keine Konkurrenz gewachsen, und leider scheuen diese japanischen Helfer – noch? – den Gang in westliche Niederlassungen.

Flamme oder Sense?

Wenn die Mahd von trockenem Gras und Buschwerk an Feldrainen, Böschungen oder Bahndämmen ansteht, greifen Bauern, Eisenbahner und Kleingärtner oft lieber zum Streichholz – das ist weniger anstrengend und geht schneller. Durch das sogenannte Flammen werden Bodenorganismus, Pflanzendecke sowie Kleintiere allerdings schwer geschädigt. Weil die Unsitte – trotz Verbotes in fast allen Bundesländern – kein Ende nehmen will, rief nun das Bonner Landwirtschaftsministerium zum Kampf gegen den Brauch auf und drohte mit empfindlichen Geldbußen. Schließlich könne die Zündelei zu Waldbränden führen. Den abgestorbenen Forsten hilft der Appell aus dem Hause Kiechle freilich nicht mehr.

Blauer Dunst

„Stört es Sie, wenn ich rauche?“ Höflich fragte Chinas erster Mann und berühmtester Raucher Deng Xiaoping die First Lady und bekannteste Nikotin-Gegnerin der Philippinen Corazon Aquino. So trug es sich neulich in Peking zu und die Besucherin antwortete: „Ich kann nicht Nein sagen, denn ich bin nicht der Führer dieses Landes.“ Deng erzählte lachend, daß man ihm beim Volkskongress einen Zettel zugeschoben habe und seine Raucherei kritisierte. Ist der süchtige Genosse seither vorsichtiger geworden?