Zuviel Harmonie“, kommentierte kürzlich eine Filmfigur bei Percy Adlon die Familienidylle im Hotel – und machte sich davon. Ähnliche Bedürfnisse weckt auch die „weiße Reihe“ aus dem Ellert und Richter Verlag, die sich stets aprilfrisch, blütenrein und fröhlich gibt – sterile Urlaubsansichten aus der Postkartenperspektive, diesmal photographiert und kommentiert von Georg Quedens. Das Friesenhaus glänzt, der Himmel strahlt, die Sonnenblume lacht, und das 20. Jahrhundert ist ausgeblendet. Kein Auto stört die Idylle, und Menschen werden nur ins Bild gebracht, um Trachten und Bräuche der Vergangenheit zu demonstrieren. Altdeutsche Lettern zieren den Umschlag; und wer es noch nicht kapiert hat, bekommt das Titelbild im Impressum erklärt: „Friesenhaus im Abendlicht. Ruhe und Gemütlichkeit, Harmonie der Formen und Farben vermittelt dieses Haus in Kampen (Sylt)“.

„Das Friesenhaus“ (Ellert und Richter Verlag, Hamburg 1988; 56 Seiten, 24,80 Mark) ist ein sehr dekoratives Buch, das sich gut auf jedem (Gaben-) Tisch macht; schließlich hat Quedens nur ansehnliche Exemplare und pittoreske Details herausgesucht. Die langgestreckten, reetgedeckten Friesenhäuser aus dem Westen Schleswig-Holsteins mit dem charakteristischen Giebel in der Mitte sind wirklich wunderschön, die Bilder sind auch wunderschön – zu diaschön, um wahr oder interessant zu sein.

Sicher schnappt der Leser beim Blättern zwischen hübscher Belanglosigkeit und umständlichpingeligen Erläuterungen (etwa über die Vor- und Nachteile von Reetdächern) auch ein paar interessante Informationen auf. Aber die vergißt er wahrscheinlich so schnell wie all die austauschbaren Bücher der Reihe, Produkte der Geschenkwarenindustrie. S.K.