Die Lobby des Kieler Landtages zeichnet sich durch erfreulich weiche Ledersessel aus. Wenn keine Parlamentssitzungen sind, also an 330 Tagen im Jahr, ist die hohe Säulenhalle menschenleer. Man sitzt einsam, zum Einschlafen bequem.

Doch rechts durch die Schwingtür geht es zu den Räumen der Staatskanzlei und des Ministerpräsidenten, von da kann jederzeit ein Minister, Staatssekretär oder Regierungsssprecher kommen. Und vorne neben der Steintreppe, die so breit und herrschaftlich ist, daß sie jeden, der sie emporschreitet, zum Staatsmann erhebt, können im Paternoster alle fünf Sekunden Menschen vorbeischweben, den Betrachter im Sessel fixierend.

Dieser Paternoster mußte in den Fernsehnachrufen auf Uwe Barschel als Symbol für seinen gespenstisch schnellen Aufstieg herhalten, weil es in den Archiven diese wunderhübsche Szene aus glücklichen Zeiten gab, in der ein Kameramann den nach oben entschwebenden Doppel-Doktor aus der Kniehöhe gefilmt hatte.

Der Paternoster steigt nur bis zum dritten Stock auf, mehr Etagen hat das Landeshaus nicht, und tritt dann rumpelnd die Fahrt nach unten an. „Weiterfahrt ungefährlich“ steht dort oben, um die zu beruhigen, die den rechtzeitigen Absprung verpaßt haben.

Wer einen Tag lang von der Lobby aus das politische Geschehen Schleswig-Holsteins beobachtet, der sieht sie vom Ledersessel aus wieder alle an sich vorbeiziehen, von unten nach oben, von oben nach unten: den Fahrer, die Sekretärin, den Oppositionsführer, den Staatssekretär a.D., den neuen Pressesprecher, den geschäftsführenden Ministerpräsidenten und die nette Dame aus der Kantine, die den Abgeordneten des Untersuchungsausschusses und ihren Zuhörern mit Hingabe Kaffee und Kuchen servierte.

Hinter der Schwingtür beginnt die Flucht der Staatskanzlei, gleich vorn liegen die Zimmer der Pressestelle. Die Schlüssel an den Türen signalisieren dem Besucher schon von weitem, wer am Platz ist oder gerade zu Tisch. In Pfeiffers ehemaligem Schlüsselloch steckt der Schlüssel wie in alten Zeiten. Eine neue Referentin belegt sein Dienstzimmer. Die Amtsmöbel des alten Medienreferenten sind durch neue ersetzt worden; kein Stuhl, Bild, Schrank oder Aktendeckel erinnert mehr an ihn, nur noch die Mithörmuschel am Telephonapparat ist geblieben.

Nebenan arbeitet Klaus-Dieter Seelig, zusammen mit einer Sekretärin der einzige in der Pressestelle der Landesregierung, der die „Irrungen der letzten Monate, in denen kein vernünftiges Arbeiten möglich war“, im Amte überlebt hat. In seinem hohen Schreibtischstuhl sitzt er, den Kopf an die Rückenlehne gepreßt, wie angeschnallt. Er sei nicht Mitglied der CDU, betont er beiläufig, man müsse sehen, was nach dem 8. Mai mit ihm passiere. Er könne auch zurück zum Norddeutschen Rundfunk von wo er gekommen sei.