Was gibt bei der Befruchtung den Ausschlag dafür, daß das entstehende Baby ein Junge oder ein Mädchen wird: A. Die DNA im Spermium, B. Die DNA in der Eizelle, C. Die RNA im Spermium, D. Die RNA in der Eizelle, E. Die DNA und die RNA sowohl im Spermium als auch in der Eizelle?“

Gefragt wurden dies unter anderem Schülerinnen und Schüler mit dem Wahlfach Biologie der Abschlußklassen an höheren Schulen in siebzehn Ländern rund um den Erdball. Die 17- bis 19jährigen aus Ungarn waren hier mit Abstand die bestinformierten; 87 Prozent von ihnen wußten die richtige Antwort, auch die polnischen Teenager schnitten mit fast 74 Prozent sehr gut ab, nicht so ihre italienischen Altersgenossen, von denen mehr als die Hälfte eine falsche Antwort, nämlich E wählten; richtig getippt hatte nur ein Drittel von ihnen. (Die korrekte Antwort – wer hat’s gewußt? – ist A).

Auch Zehnjährige nahmen an dem internationalen, von den beteiligten Ländern gemeinsam gestalteten Test teil; von den Fragen an diese Kinder im vierten oder fünften Schuljahr ein Beispiel: „Wird Milch im Kühlschrank aufbewahrt, so wird sie nicht sauer. Warum?“ Für die Antworten standen auch hier fünf Möglichkeiten zur Wahl: A. Bei der Kälte wird das Wasser in der Milch zu Eis. B. Die Kälte trennt den Rahm von der Milch. C. Die Kälte verlangsamt die zersetzende Tätigkeit der Bakterien. D. Die Kälte hält die Fliegen von der Milch fern. E. Bei der Kälte bildet sich auf der Milch eine schützende Haut.

Die US-amerikanischen Kinder – welches hätte keinen Kühlschrank zu Hause – wußten in diesem Fall am besten Bescheid und wählten zu gut 63 Prozent die richtige Antwort C. Die Schüler aus Hongkong, den Philippinen und Singapur hingegen konnten mit dem Problem offensichtlich kaum etwas anfangen; die meisten kreuzten wahllos eine Antwort an. Im Gesamtergebnis schnitten von den Zehnjährigen die Japaner am besten ab, unter den ebenfalls geprüften 14jährigen waren es die Ungarn und bei den Abschlußkläßlern teilten sich Hongkong und Singapur „den Sieg“.

Bei diesem immerhin an fast einer Viertelmillion Kindern und Jugendlichen vorgenommenen Examen ging es nicht etwa um einen Wettkampf der Nationen. Die zur International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) lose zusammengeschlossenen Forschungsinstitute der beteiligten Länder möchten vielmehr ermitteln, was Schüler nach den verschiedenen Kurrikula in den zum Teil erheblich voneinander abweichenden Schulsystemen tatsächlich gelernt haben. In der soeben veröffentlichten Untersuchung – die Resultate und ihre ersten Interpretationen sind unter dem Titel „Science Achievement in Seventeen Countries“ als Taschenbuch bei Pergamon Press erschienen – waren in drei Altersgruppen naturwissenschaftliche Kenntnisse abgefragt worden. In früheren Jahren waren die Prüfungsgegenstände Mathematik und Aufsätze in der jeweils eigenen Sprache gewesen.

Die Ergebnisse sind in erster Linie eine statistisch aufgearbeitete Datenbasis – die einzige bisher, die sinnvolle internationale Vergleiche erlaubt. Der Nutzen, den Forscher, Pädagogen und Schulbehörden daraus ziehen können, ist fraglos von großem Wert, zumal sich die Studie keineswegs etwa in der Tabellierung von Testergebnissen erschöpft, sondern diese zu den Schulsystemen und Lehrplänen der einzelnen Länder in Beziehung setzt. Daneben läßt sie bemerkenswerte Gemeinsamkeiten erkennen, wie die, daß Jungen durchweg bessere Leistungen in den Naturwissenschaften zeigen als Mädchen, erfreulicherweise aber auch, daß dieses Mißverhältnis im Laufe der letzten fünfzehn Jahre – 1970 hatte schon einmal ein solches Testexamen stattgefunden – deutlich geringer geworden ist.

Wie jeder internationale Vergleich verleitet auch dieser in der Öffentlichkeit – zum Mißfallen der Veranstalter – zu einer eher sportlichen Bewertung. Amerikanische Medien zum Beispiel nehmen das schlechte Abschneiden ihres Landes im Ergebnis dieser Studie und insbesondere die Tatsache, daß es weit hinter so manchem Entwicklungsland rangiert, zum Anlaß, Alarm zu schlagen und der Nation eine düstere industrielle Zukunft vorauszusagen. Verschwiegen wird hierbei, was der IEA-Bericht ausdrücklich betont, nämlich daß in einem Land, in dem so gut wie jedes Kind bis zur letzten Klasse die gleiche Highschool besucht, die Prüfungsergebnisse naturgemäß unter denen von Staaten liegen, in denen der Besuch einer höheren Schule immer noch das Privileg einer Minderheit ist.