Nun erobern wir unsere Fußgängerzonen wieder zurück nach dem Winter, sie gehören wieder ganz uns – Bummelboulevards mit Straßengauklern und Musikanten, Orte eines lockeren Laisser-faire, Treffpunkte mit Bekannten, ein Stück städtischer Kommunikationskultur.

Viel gibt es zu sehen, und wo sonst zöge es den Besucher fremder Städte hin, sobald er Zoo, Palmengarten und Museen besucht hat – wenn nicht in dieses quirlige urbane Umfeld, das den Fremden dem Leben in einer neuen Stadt ein bißchen näherbringt.

Er könnte sehr schön sein, dieser Ausflug ins städtische Alltagsleben. Wenn diese von Autos befreiten Regionen vielerorts nicht bereits von Radfahrern okkupiert wären, die ein Tempo vorlegen, das den Flaneuren ein Höchstmaß an Reaktionsvermögen abverlangt. Auf diesen Rennbahnen für das Fahrrad-Shopping sind Fußgänger zu Störenfrieden geworden und inzwischen nichts weniger als ein Stück Unberechenbarkeit auf zwei Beinen. Die Warnsignale der Fahrradklingeln nötigen zu blitzschnellen Entscheidungen. Wer da nicht beizeiten lernt, wie ein Hase Haken zu schlagen, hat Gelegenheit, das Weiße im Auge des radelnden Gegners zusehen.

Der Fußgänger als wandelnder Chaot sieht sich da oft von jenen geschurigelt und barsch zurechtgewiesen, die für sich selbst ökologische Einsicht reklamieren: Haben sie nicht das luftverpestende Auto stehengelassen? Nun radeln sie selbstgerecht einer Vision von Umweltverträglichkeit entgegen. Vorwurfsvolle Blicke sind da noch das geringste, was ein Fußgänger einfängt, der spontan den Schritt in eine vom Radfahrer nicht erwartete Richtung lenkt.

Wie man’s auch dreht und wendet: Der Dumme ist der Mensch auf zwei Beinen. Schon liegt der Gedanke nahe, für diese zurückgebliebene Spezies Artenschutz zu fordern und ein paar städtische Reservate, in denen der Bummler ungefährdeteinen Schritt vor den anderen setzen kann. Es sei, diese bedrohte Gattung wechselt freiwillig die Fronten und schwingt sich auch aufs Rad, um – ungebremst von zurückliegenden Einsichten – frisch drauflos zu fahren. Klaus Betz