Mehr als 800 000 Bürger, Deutsche und Österreicher, haben im zweiten atomrechtlichen Genehmigungsverfahren Einwendungen gegen die atomare Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf erhoben. Josef Reschen, Bürgermeister von Salzburg, war dabei, als die gesammelten Einsprüche der österreichischen WAA-Gegner im bayerischen Umweltministerium übergeben wurden.

ZEIT: Die Österreicher stimmten per Volksentscheid gegen die Kernkraft. Wie viele Ihrer Landsleute haben nun gegen die WAA in Bayern unterschrieben?

Reschen: 344 000 Österreicher – das sind die letzten Zahlen, davon über 100 000 aus Salzburg. Laut Ministerpräsident Strauß sind das alles Kernphysiker, zu denen noch die rund 500 000 Kernphysiker aus der Bundesrepublik kommen.

DAS KURZE INTERVIEW

ZEIT: Glauben Sie, daß Ihre Einwendungen in München etwas bewirken?

Reschen: Ja, darum tun wir’s ja. Einerseits auf dem Rechtsweg, den wir bis zur letzten Möglichkeit beschreiten wollen, zum anderen über die Bewußtseinsbildung in der Bundesrepublik, die darüber entscheidet. Neben den rechtlichen Erfolgen – dazu gehört zum Beispiel das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Berlin vom 17. Dezember 1986, in welchem ausgesprochen wurde, daß Ausländern Parteistellung zukommt, oder das Urteil des Bayerischen Gerichtshofs vom 2. April 1987, in dem die erste Teilerrichtungsgenehmigung aufgehoben wird – gibt es auch politische Erfolge. Sogar der Landkreis Berchtesgaden hat mit den Stimmen von CSU-Kreistagsabgeordneten Einwendungen im laufenden Verfahren erhoben.

Zu den politischen Erfolgen gehört sicherlich auch, daß, während es im ersten atomrechtlichen Verfahren 100 000 Einwendungen aus der Bundesrepublik gegeben hat, jetzt rund die fünffache Zahl sich dagegen ausgesprochen hat.