Der ehemalige Wirtschaftsminister und Vorstands-Chef der Dresdner Bank, Hans Friderichs, plant sein politisches Comeback. Er möchte als Spitzenkandidat der FDP bei den Europawahlen im Juni 1989 ins Europäische Parlament einziehen. Angeblich wurde ihm die Kandidatur von FDP-Chef Martin Bangemann angetragen, doch seine Parteifreunde in Rheinland-Pfalz legen sich quer.

Den Liberalen mißfallen Friderichs’ Ambitionen, weil sie ihn nach seiner Verurteilung im Flick-Parteispenden-Prozeß für ein schlechtes Aushängeschild halten. So ist offen, ob die Delegierten der rheinland-pfälzischen FDP Friderichs auf einen aussichtsreichen Listenplatz lassen.

Die Konkurrenten stehen bereits in den Startlöchern: Honorarprofessor Wolfgang Rumpf, früher Bundestagsabgeordneter, jetzt Staatssekretär im Mainzer Landwirtschaftsministerium, möchte statt Friderichs ins Europaparlament ebenso wie Diethardt von Preuschen, früherer Bevollmächtigter des Saarlandes beim Bund und zur Zeit Mitarbeiter der FDP-Bundestagsfraktion.

Georg Cordts, Ministerialdirektor im einstweiligen Ruhestand und gemeinsam mit Ehefrau Renate Krimi-Autor unter Pseudonym (Georg R. Kristan), hält nichts von dem gutgemeinten Vorschlag, ihn als Beamten zu reaktivieren, im so zu verhindern, daß der Büchermarkt von weiteren Cordts-Krimis aus der Bonner Politszene überschwemmt wird. Auf den Vorschlag in der „Bonner Kulisse“ (siehe ZEIT Nr. 15 vom 8. April 1988) reagierte Cordts mit dem Hinweis, daß er mit seinen 61 Jahren in einem Alter sei, in dem er bereits auf eigenen Antrag in den endgültigen Ruhestand treten könne. Sebst wenn sein Dienstherr, Landwirtschaftsminister Ignaz Kiechle, daran dachte, ihn zu reaktivieren, werde er nicht zögern, des Ruhestandsantrag zu stellen. In übrigen meint der Ex-Beamte: „Die Reaktivierung eines FDP-Mitglieds durch einen Repräsentanten der CSU als Schutzmaßnahme für den Kriminalroman zu fordern – na, na, ein Minister als Verhüterli!“

Die Kritik an ihren Klischee-Krimis weisen die Cordts auch mit Hinweis auf ihre Auflagen zurück: „Sollten denn alle, die Kristan-Krimis kaufen und lesen, auf dem falschen Dampfer sein?“ Na dann viel Spaß, der fünfte ist fertig: Spionage im BKA und Rauschgift, mit dem Titel „Schnee im Regierungsviertel“.

Der Bundesverband der Freien Berufe mit seinen 380 000 Freiberuflern ist mit beiden großen Parteien SPD und CDU/CSU hart ins Gericht gegangen. BFB-Präsident J.F. Volrad Deneke und Hauptgeschäftsführer Dietrich Rollmann bescheinigten beiden Parteien ein auffallendes Desinteresse gegenüber den Anliegen der Freiberufler. Beklagt wird, daß die Arbeitsgemeinschaft der Selbständigen (AGS) in der SPD die Positionen des BFB in kaum einem Punkt unterstützt. Deneke und Rollmann: „Die immer – noch schwache Stimme der Arbeitsgemeinschaft Selbständige in der Mittelstandspolitik ist so matt geworden, daß die Frage gestellt werden muß, ob die AGS eigentlich nur auf dem Papier steht.“ Über die Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU, mit der man früher gut zusammengearbeitet hat, heißt es heute: „In der Bundesregierung ist der Mittelstand der Union nicht ausreichend vertreten. Auch noch so berechtigte Anliegen der Selbständigen können in der Bundesregierung – wenn überhaupt – nur mit Mühe durchgesetzt werden. Der Bundeskanzler sieht die ihm unversöhnlich gesonnenen Führer des DGB weitaus häufiger als die ihm politisch bedeutend näher stehenden Repräsentanten der mittelständischen Verbände.“

Wolf gang Hoffmann