Wir gehören zusammen, wir halten zusammen, eine Krähe wäscht die andere, wir sind ein Club auf Gegenseitigkeit. Mal angenommen: Ich bin ein Journalist. Auch Journalisten schreiben Bücher. Da ist es nützlich, gute Verbindungen zu einem guten Verlag zu haben. Zum Beispiel zu Rowohlt. Angenommen: Ich bin ein Autor. Da ist es nützlich, gute Verbindungen zu Journalisten zu haben und deren Bücher zu preisen. Angenommen: Ich bin Bürgermeister einer Stadt. Sagen wir: Hamburg. Da ist es nützlich, den Kontakt zum wichtigsten Verlag der Stadt nicht abreißen zu lassen. Ein Verlag (sagen wir: Rowohlt) macht Meinung.

Wo ein gemeinsames Interesse ist, da ist auch ein Weg. Zum Beispiel die jetzt im vierten Heft vorliegende Rowohlt-Revue: Gesamtverzeichnis des Verlages, Programm- und Werbezeitschrift für die Buchhändler und für die Kunden, Auflage 750 000. Da schreiben und rezensieren exklusiv für Rowohlt: Klaus von Dohnanyi und Hans-Jürgen Wischnewski.

Nun gut, das sind Politiker, und Politiker sind bekanntlich zu fast allem bereit. Es schreiben da aber auch die Schriftsteller und Journalisten: Klaus Harpprecht, Dieter Kronzucker, Rudolf Augstein, Ute Blaich, Klaus Modick, Matthias Horx, Renee Zucker. Zum größten Teil sind sie Rowohlt-Autoren. In der Rowohlt-Revue loben sie gegen Bezahlung Rowohlt-Autoren. Rowohlt macht gute Bücher. Warum soll man sie nicht loben? Und: Sitzen wir nicht alle in einem Boot? Ja doch. Wir sind ein Club auf Gegenseitigkeit und mit beschränkter Haftung.

Die Rowohlt-Revue ist die Literaturzeitschrift der Zukunft. Den Verriß schließt sie aus. Kräfteraubende Umwege fallen weg. Der Verlag sucht sich seine Lobredner selber. Der freie Kritiker, der um Gerechtigkeit ringt, ist ein rührendes Relikt. Der neue Kritiker hat seine Arrangements schon getroffen. Der Autor weiß, wo Bartel den Most holt. Der Verlag bahnt der Literatur eine Gasse.

Alles klar. Aber es ist trübste Korruption. Es ist ein Verfall von Sitte und Anstand in der Kritik. Wenn der Spiegel-Herausgeber Augstein die Spiegel-Redakteurin und Rowohlt-Autorin Scherer in der Rowohlt-Revue lobt, dann unterscheidet sich das von Waterkantgate nur in einem: Dort ging es um Geld und Macht. Hier geht es um Geist. Aber der Geist ist willig. Neuerdings zu allem.

Finis