ARD, Samstag, 23. April, 20.15 Uhr: "4-gegen-Willi".

Das "4-gegen-Willi"-Team hat umgelernt. Nachdem diese "Familien-Spielshow" herbe Kritik wegen ihrer Tendenz zum Verladen der Kandidaten hatte hinnehmen müssen, kommt sie ihren Gästen mit neuer Nettigkeit. Da wird niemand mehr coram publico um sein Auto oder sein Wohnzimmer gebracht, im Gegenteil, alle dürfen zeigen, wie tüchtig und wie keck sie sind. Am Samstagabend meisterten die beiden gegeneinander wetteifernden Familien, die Hübners aus Duisburg und die Eberstallers aus der Nähe von Linz, jedes einzelne der lustigen Spiele: In Rekordzeit trug Herr Hübner einem Chor junger Damen den je zum Trikot passenden Tulpenstrauß an, rumpelte Frau Eberstaller per Baggerbirne neun Kegel um, fing Sohn Marc vierzehn Frisbee-Scheiben in einem Riesenkescher und krabbelte Tochter Silvia durch soundsoviel auf der Bühne parkende Limousinen – die nicht verschlossenen waren rauszufinden.

Da diese Spiel-Show ein Pokerelement enthält – richtig machen reicht nicht, man muß durch Wahl eines überlegenen Schwierigkeitsgrades die gegnerische Familie auspunkten – hat auch dann, wenn jede Probe bestanden wurde, eine Partei verloren; der 20 000 DM-Preis geht an die kühnere Familie. Das waren diesmal die – oje, ich hab’s vergessen.

Das ist die Crux von Spiele-Shows wie "4-gegen-Willi": Sie sind langweilig im Prinzip. Sie sind akkurat so aufregend wie Sackhüpfen, wenn man zuschauen muß. Schon kleinste Kinder kennen sich da aus, denn sie wollen unbedingt mitmachen, danebenstehen befriedigt nicht. Ob sich der Sack nun zu einem Phantasie-Kran, zu einem Kunstpferd oder zu einer Riesenspielzeug-Rennbahn auswächst, und ob die anfeuernde Kinderfee Mike Krüger heißt und Witzchen macht – das bleibt sich so ziemlich gleich. Spaß bringt nur das Hüpfen, da gerät man außer Atem, kriegt rote Wangen. Das Zuschauen aber bleibt seltsam fad; wenn man nicht drängeln und mitmachen darf, hat man eigentlich nix bei so einer Veranstaltung verloren.

Das wissen ja auch die Macher insgeheim, und deshalb suchen sie schon lange nach einem Stoff, der die Nerven sticht. Im Bloßstellen ihrer Gäste glaubten sie ihn gefunden zu haben, aber da gab’s dann doch zu viele Seelchen unter den Zuschauern und wohl auch unter den Programmplanern; die Brutalomasche kam nicht an, weg damit. Bleiben die Pausenfüller und das Drumrum: Artisten, Rockbands, Laserkünstler, man läßt sich nicht lumpen und schafft vom Feinsten an. Auch mit dem Spielzeug wird ein Aufwand getrieben, der selbst Wohlstandskinder noch zum Gaffen bringt. Sollte das, in der Summe, nicht doch genug Attraktion bieten?

Ach, "4-gegen-Willi" hat gegenüber Olympia und "Wetten-daß?" den Nachteil, daß es keine nicht-alltäglichen Leistungen zeigt. Auch Papa schafft, wenn er in Form ist, das mit den Tulpen, und die Älteste, wenn sie Glück hat, das mit den Limousinen. Und so bleibt der Eindruck, daß hier viel Geld, viel Technik und viel Organisation am Werke sind, um obengenanntes Prinzip vergessen zu machen – was aber nicht gelingen kann, da ein Prinzip stabiler ist als sämtliche Inszenierungen, die es überspielen sollen. Es kommt, einmal geleugnet, durch alle Türen zugleich zurück.

Barbara Sichtermann