Ein interessantes Detail aus einem neuen, in Amerika erschienenen Buch (The Power Game: How Washington Really Works, Autor: Hedrick Smith) bezieht sich auf das Verhältnis von Ronald Reagan und Helmut Kohl.

In der jüngsten Ausgabe der renommierten New York Review of Books wird darüber berichtet. Im Fall Bitburg, so ist da zu lesen, hätten alle Berater den Präsidenten gedrängt, er solle seinen – Besuch auf dem Friedhof absagen wegen der SS-Gräber, die dort sind.

Auch seine Frau Nancy war dagegen. Aber Reagan entgegnete, dies Helmut Kohl persönlich versprochen zu haben, der wiederum mit "Tränen in den Augen" eine Geste der Versöhnung mit seinem Land erbat. "Was auch immer Sie wollen", erwiderte demzufolge Reagan, der Dankbarkeit für Kohls Unterstützung im Streit um die Stationierung der Pershing-Raketen empfand.

Als klar geworden sei, wie weit Reagan Kohl nachgegeben hatte, habe der Präsident den Kanzler (auf Drängen seiner Berater) angerufen und sich vierzig Minuten lang bemüht, aus der Zusage entlassen zu werden, aber Kohl habe erwidert, seine Regierung drohe zu stürzen, wenn Reagan einen Rückzieher mache.

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Reagan, heißt es weiter, sei ein "Gefangener Kohls" gewesen, bevor er Gefangener seiner eigenen Geiseln geworden sei. – In dem Buch wird übrigens auch geschildert, wie die Berater Wert darauf legten, daß Reagan nicht sitzt, wenn er Journalisten antwortet. Dann sei er zu entspannt und passe nicht auf. Also habe gegolten: "Keep him Standing up" (Achtet darauf, daß er stehen bleibt).

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