Don Felipe ist kein Kenner komplizierter weltwirtschaftlicher Zusammenhänge: Wenn der Campesino kurz vor Sonnenuntergang vom Feld heimkommt, freut er sich über die Suppe, die seine Frau Doraliza ihm und den acht Kindern gekocht hat. Während Dona Doraliza dann beim Schein der Kerosinlampe noch Schafwolle zu einem feinen Faden spinnt, hört Don Felipe Radio; „Ruhig Kinder, Alan hat wieder eine Botschaft für uns.“

Don Felipe erinnert sich noch gut an die Zeit, als der Lausbub Alan in den Gassen von Salcca mit den übrigen Dorfkindern herumtobte. Dann zog seine Familie in die große Stadt. Und viele Jahre später war der Bengel von einst der berühmteste Sohn des winzigen Andendörfchens: Alan Garcia, Staatspräsident von Peru.

Alan Garcia, der Staatspräsident, sagt seinem Volk und der Welt, daß die internationalen Banken mit ihren Zinsforderungen sein Land auspressen wie eine Zitrone. Aber damit ist jetzt Schluß. Weil zunächst einmal alle Menschen in Peru genug zu essen und eine Arbeit haben müssen, bevor diesen reichen Ausländern die Schulden zurückbezahlt werden.

„Bravo, Alan, bravo, zeig’s denen“, freut sich Don Felipe. Er hört: Alan Garcia ist einer von uns. Der spricht nämlich sogar auch Quetschua, die Indianersprache. Und zwar als erster Präsident in der Geschichte eines Landes, in dem fast jeder zweite Indio ist.

Was Don Felipe nicht weiß: Die markigen Worte des Präsidenten gefährden das hoffnungsvolle Pflänzchen, das vor ein paar Jahren in Salcca und in all den anderen kleinen Dörfern der Gegend zu blühen begann: Es heißt „Plan Meris II“ und ist ein bundesdeutsches Entwicklungshilfeprojekt.

Gemeinsam mit den Campesinogemeinden baut „Plan Meris II“ kleine Staudämme mit kleinen und ganz kleinen Bewässerungskanälen. Dazu zeigen die deutschen Ingenieure den Kleinbauern auch gleich, wie sie ihre Tiere besser halten, ihr Land sinnvoller bewirtschaften und ihre Kinder mit selbstgezogenem Gemüse gesünder ernähren können. Und das alles ohne aufwendige Technik und protzige Bauwerke, aber dafür mit viel Rücksicht auf Bodenfruchtbarkeit, Klima und Bedürfnisse der Campesinofamilien.

Früher überlegten sich Don Felipe und seine Frau Doraliza oft, ob sie den Kindern zuliebe nicht auch in die große Stadt ziehen und die Lehmhütte, die zwei Kühe, das Schwein und die 0,7 Hektar Ackerland einfach aufgeben sollten. Jetzt, seit es den „Plan Meris“ gibt, wollen manche aus der Stadt sogar wieder zurück.