Man kann sich die Szene gut vorstellen: Da saßen sie drunten in Darmstadt alle beisammen und machten ihrem Ärger darüber Luft, daß sie bestenfalls mittelmäßige Autoren förderten und doch nicht alle Mittel ausgeben konnten, die ihnen aus dem Innenministerium zuflössen. Eine Zeitschrift müßte her, wird einer gesagt haben, eine Zeitschrift, in der sich die zeitgenössische Literatur spiegelt, in der außerdem auf hohem Niveau diskutiert und kritisiert wird. Athenaeum! Schlegel! Romantik! Ja genau, riefen die anderen, das ist es, das machen wir. Und so kam der Deutsche Literaturfonds auf den Phönix.

Am Anfang seien noch alle dafür gewesen, sagt Peter Häftling, fast euphorisch sei man gewesen über den mindestens dreimal einstimmig gefaßten Beschluß. Wo alles stumpfsinnig vor sich hin torkele, so Härtling, habe man, so Heinrich Vormweg, zwischen Donnerlippchen und Fußball auf Literatur setzen, sie, so Hartmut Vogel, mit einer weiteren Eigenaktivität des Fonds’ fördern wollen. Und plötzlich gerate man, so Vormweg, in ein schiefes öffentliches Licht, plötzlich gebe es Proteste der Verlage und Trägerorganisationen. Er sei inzwischen wirklich frustriert und werde eine Flasche Champagner öffnen, wenn die Sache entschieden sei.

Dabei ist sie längst entschieden. Seit 1980 hat der Literaturfonds durch sparsames Wirtschaften, aber natürlich auch, weil sich beim besten Willen nicht mehr Antragsteller fördern lassen, soviel Rücklagen angesammelt, daß er sie in ein größeres Projekt stecken muß, wenn er sie nicht verlieren will. Ähnlich sinnlos wie in kleineren Instituten vor Weihnachten noch schnell eine Kaffeemaschine oder in größeren ein neuer Teppichboden angeschafft wird, damit die Mittel im nächsten Jahr nicht gekürzt werden, investiert der Literaturfonds jetzt in eine neue Zeitschrift.

Der Phoenix soll, wie alle Beteiligten versichern, keineswegs mit den bestehenden Zeitschriften konkurrieren, aber auf Nachfrage erfährt man dann doch, daß im Gründungseifer zunächst nicht an die anderen gedacht wurde. Warum auch, meint Peter Härtling, der Kuratoriumsvorsitzende, schließlich komme es auf das Konzept an, und wenn das gut und zeitgemäß sei, dann finde eine weitere Zeitschrift auch ihre Käufer, ohne daß damit die etablierten, von den Akzenten bis zum Schreibheft, geschädigt würden.

Heinrich Vormweg, immer schon ein eifriger Trommler für das Kulturgut Zeitschrift, soll den Phoenix betreuen. Sein Konzept sieht eine Zweiteilung in literarische und kritisch-essayistische Beiträge vor, denn, so meint er, bisher sei in der Bundesrepublik eine Förderung essayistischer Arbeiten nicht möglich gewesen. Den Job wollte er aber nur unter der Bedingung übernehmen, daß seine Autoren pro Druckseite mit wenigstens einhundert Mark honoriert würden. Denn es sei doch ein Skandal, wie schlecht Zeitschriften ihre Mitarbeiter bezahlten.

Fürwahr ein Skandal, allerdings ein anderer, als Vormweg meint. Da gibt es also den Literaturfonds, der in der besten Absicht gegründet wurde, nämlich der deutschsprachigen Literatur mit etwas Geld Hebammendienste zu leisten. Wenn es die Literatur schon nicht gibt, so die Politik des eingetragenen Vereins, dann soll sie wenigstens gefördert werden. Und warum auch nicht: Schließlich lebt die gesamte deutsche Kultur von staatlicher Beihilfe. Der Literaturfonds, der seinen Stipendiaten jeweils mindestens 24 000 Mark steuerfreie Rente schenkt, verbraucht im Jahr nicht mehr Subventionen als die Münchner Kammerspiele in zwei Wochen.

Da gibt es weiter die Kranichsteiner Literaturtage. Einmal im Jahr bittet der Fonds nach Darmstadt, wo er ausgewählte Schützlinge vorsingen läßt. Hier handelt es sich wohlgemerkt um bereits geförderte Schriftsteller, von denen die besten vorgeladen werden, um, mit etwas Glück, auch noch einen Preis dafür zu empfangen, daß sie sich haben fördern lassen. Man will ja nicht hinter Klagenfurt zurückbleiben.