Eine Woche nach den schweren Zusammenstößen amerikanischer und iranischer Seestreitkräfte sind die politischen und militärischen Fronten am Golf in Bewegung geraten.

Die Vereinigten Staaten sind im Begriff, ihre Präsenz zu verstärken: Sie wollen die Einsatzaufgaben der Navy erweitern und die Struktur der Seestreitkräfte den Aufgaben besser anpassen. Saudi-Arabien kündigte an, alle Beziehungen zu Teheran abzubrechen, um die Parteinahme für den Irak zu verdeutlichen. Im Iran suchen die Mullahs nach Wegen, sich für die erlittenen Verluste und Rückschläge zu rächen.

Es bedarf nur noch der letzten Entscheidung Präsident Reagans, dann werden die Marinekommandanten im Persischen Golf neue Instruktionen für ihre Einsätze bekommen. Bisher durften sie nur zum Schutz der unter amerikanischer Flagge fahrenden kuwaitischen Tanker das Feuer eröffnen, künftig sollen sie auch neutrale Tanker beschützen, wenn sie um Hilfe gebeten werden; das gilt vor allem für Schiffe in amerikanischem Besitz, die unter anderer Flagge laufen.

Gleichzeitig soll der „Waffenmix“ den Aufgaben im Golf besser angepaßt werden. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Weinberger, doch im Einklang mit der militärischen Führung im Pentagon, hat sich Verteidigungsminister Carlucci für die Entsendung von Patrouillenbooten der Küstenwacht nach Mittelost ausgesprochen.

Die Boote sind klein und schnell; sie sollen Bohrinseln in Küstennähe schützen, Minenleger aufspüren und Kriegsschiffe für andere Missionen im Tanker-Geleitschutz freistellen.

Trotz der Zustimmung, die Präsident Reagan für eine Erweiterung des amerikanischen Engagements im Golf von führenden Politikern beider Parlamentsfraktionen bekommen hat, macht sich im Kongreß aber auch wachsende Opposition bemerkbar. Erneut wird die Anrufung des Kriegsermächtigungsgesetzes gefordert, das dem Kongreß beim Streitkräfteeinsatz ein Mitspracherecht gibt.

Die zwiespältigen Gefühle im Kongreß spiegeln sich in einer zunehmenden Polarisierung der Debatten wider: Die Konservativen fordern die Zerstörung des iranischen Marinestützpunktes Bandar Abbas und der „Seidenwurm“-Raketen in der Straße von Hormuz.