Mit der Gründung des Zentrums für marine Geowissenschaften (Geomar) in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel entsteht ein forschungspolitischer Mahlstrom. In seinem Sog erhofft sich Professor Jörn Thiede, Stiftungsdirektor und Abteilungsleiter für Paläogeographie, den Zuzug von 120 hochqualifizierten Meeresforschern sowie beständig sprudelnde Geldquellen. Schwerpunkte der universitätsunabhängigen Forschungseinrichtung sind Umweltgeologie, Geophysik, Paläoozeanographie und Petrologie der Ozeankruste.

„Wir beschränken unsere Forschungen nur auf solche Bereiche, die von den bereits existierenden Instituten nicht abgedeckt sind“, versucht Thiede die Bedenken der entsprechenden Einrichtungen im norddeutschen Küstenbereich Zu zerstreuen.

Eine „personelle Flexibilität“ soll bei Geomar für einen wechselseitigen Austausch zwischen der Wissenschaft auf der einen Seite und Wirtschaft und Technik auf der anderen Seite sorgen. Das Meeresforschungszentrum im Land zwischen den Meeren ist dreigegliedert. Vom „Kieler Kleeblattkonzept“ haben sich bislang zwei Blätter entfaltet. Geomar als eigentliches Forschungszentrum und eine Gesellschaft für Technik, Service und Entwicklung. Der dritte Bereich, ein bislang noch nicht näher umrissener Technologiepark GEOTEC, ist über das Planungsstadium noch nicht hinaus.

Im Kieler Seefischmarkt hat Geomar ein angemessenes Gelände mit ausreichend Raum für Forschungs- und Verwaltungsgebäude sowie den nötigen Kaianlagen gefunden. Mit dem vollständigen Ausbau von Geomar ist kaum vor Anfang der 90er Jahre zu rechnen. Hinrich Bäsemann