„Künstler“

Marktchancen, Marktnischen, Wachstumsraten – Kunst ist heute ein Acker, der um- und umgepflügt wird, damit eine Ernte die nächste jage. Jetzt haben sich die Verlage Westermann und Bruckmann zu einem neuen, vielversprechenden Experiment zusammengetan und

das Versuchsfeld „Kritisches Lexikon der Gegenwart“ (herausgegeben von Lothar Romain und Detlev Bluemler; Weltkunst und Bruckmann Verlag, München 1988 ff.; erscheint viermal jährlich mit insgesamt zweiunddreißig Künstlermonographien; Jahresabonnement 178,– DM, bis 31. 1. 1988 Subskriptionspreis 148,– DM) angelegt.

Wachsen sollen darauf Künstlermonographien in Einzelheften, zweiunddreißig im Jahr, das sind in zehn Jahren auch erst dreihundertzwanzig. Ein Lexikon soll es sein.

Lothar Romain hat auf dem Terminus Lexikon bestanden und ihn auch gegen andere Stimmen im Verlag durchzusetzen gewußt. Kritisch soll es sein – und gibt mit seiner kritischen Auswahl von Künstlern gleich den gröbsten Anlaß zur Kritik.

Schön wie ein Bildband will es sein. Die Künstler können das Deckblatt zu ihrer, je nach Rang acht oder sechzehn Seiten üppigen Heftmonographie selber gestalten. Und doch muß es der Notwendigkeit gehorchend in grauen Sammelordnern verschwinden, wo sich, über die Jahre hinweg, das Alphabet vervollständigt. Flexibel, aktuell will es sein und den Sammeleifer heraufbeschwören – aber kein Kunstjournal, denn davon gibt es eh genug.

Von allem etwas und damit der große Wurf – ob es das werden wird, muß sich erst zeigen. Der Beirat von fünfundzwanzig renommierten Fachleuten ist gut besetzt. Die Auswahl der ersten zweihundert Künstler ist interessant: moderne Klassiker und solche, die erst in den letzten zwei, drei Jahren bekannt wurden.