Im Streit mit den Gewerkschaften mußte Oskar Lafontaine zurückstecken

Von Gunter Hofmann

Bonn, im April

Am Morgen danach, 8.15 Uhr, auf der Fahrt von seiner Saarbrücker Wohnung ins Kabinett, legt Oskar Lafontaine mit etwas müder Stimme am Autotelephon dem Saarländischen Rundfunk die Konfliktlage dar. Das Gipfeltreffen zwischen SPD- und Gewerkschaftschefs in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Bonn, wo es vor allem um ihn ging, ist erst seit ein paar Stunden vorüber.

Es klingt nicht so, als blicke der Saarländer in einen Strahlenden Frühlingsmorgen. Eine „Klärung“ habe man erreicht, wie Arbeitszeitverkürzungen verwirklicht werden könnten und was Lohnausgleich heiße, erläutert er. Nämlich, „daß jemand nach der Arbeitszeitverkürzung nicht weniger verdienen darf als vorher“. Absolut deckungsgleich, meint er im übrigen, sei die saarländische Initiative zur Beamtenbesoldung, die hohe Gehälter einfrieren will, mit dem, was der DGB in seiner Musterrede zum 1. Mai empfehle.

Aber man wird das Gefühl nicht los, die politische Debatte der letzten zwei Monate schrumpfe da unversehens auf eine über einen Lohnstopp für Gehälter ab A 16. Es klingt so, als sei die Luft plötzlich heraus.

Eine „Nullrunde“ bei Gelegenheit hatte immerhin auch DGB-Chef Ernst Breit nicht völlig ausgeschlossen, als er kurz vor Mitternacht nach dem Ergebnis des Treffens von DGB und SPD gefragt wurde. Ermattet faßte Breit das Resultat aus seiner Sicht so zusammen: „Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich – das ist eigentlich die übereinstimmende Meinung aller Beteiligten, alles andere beruht auf Mißverständnissen.“