ARD, Samstag, 30. April, 23.45 Uhr: „Rififi am Karfreitag“, Krimi von John Mackenzie

Die Exposition ist lang und bekannt: Ein einsam gelegenes Landhaus, durch dessen Fenster die Kamera zwei Männer beobachtet; Schnitt: ein Mann mit einem Koffer auf einer Gangway. Die Kamera verfolgt seine Schritte. Der Koffer wechselt den Besitzer. Dann wieder das einsam gelegene Landhaus, in dem der Koffer – voller Geld, versteht sich – gerade geöffnet wird. In einem Pub macht ein sanft lächelnder Mann einem anderen Avancen. Dann, plötzlich, ein Überfall. In einer pechschwarzen Nacht werden Männerleichen aus einem Auto gestoßen. In hellem Morgenlicht beobachtet die Kamera von oben, wie ein Sarg aus einem Zugwaggon getragen wird. Eine schwarz gekleidete Frau steigt in ein Auto. Wenig später spuckt sie einem jungen Mann in einem Straßencafe ins Gesicht.

So eingestimmt landet der Zuschauer zusammen mit einem kleinen dunkelhaarigen Mann auf dem Flughafen Heathrow. Der junge Mann aus dem Café erwartet ihn. Die eigentliche Geschichte beginnt.

Es geht, das wird rasch deutlich, um Bauspekulationen in großem Stil, an denen sich Harold, der dunkelhaarige Mann, Gangsterboß seines Zeichens (Bob Hoskins), beteiligen will. Jenseits des großen Teiches hat er bereits mit einem einflußreichen Geldgeber Kontakte geknüpft, ein atlantisches Bündnis sozusagen, durch das die Umwandlung der Londoner Docklands in ein luxuriöses Wohn- und Geschäftszentrum abgesichert werden soll. Jetzt wartet er auf seinen Mann aus New York (Eddie Constantine).

Es ist Karfreitag. Ein friedvoller Morgen. Die Sonne scheint auf die Docklands. Harold fühlt sich großartig. Er wiegt sich bereits in der Gewißheit, den größten Coup seines Lebens zu landen. Der Mann aus New York wird ehrenvoll empfangen. Wie ein kleiner Volkstribun steht Harold auf seinem Schiff, die Tower Bridge im Rücken, und hält eine flammende Rede über die Zukunft Londons.

Doch so seriös sich Harold seinem amerikanischen Freund gegenüber auch gibt, er kann ihm nicht verheimlichen, daß er in viele Machenschaften der Londoner Unterwelt verstrickt ist. An jenem Karfreitag geschehen Dinge, die selbst den hartgesottenen Harold für eine Weile aus der Fassung bringen: Autobomben explodieren, Harolds Nobellokal „Lion and Unicorn“ fliegt in die Luft, sein engster Freund Collin wird in einem Schwimmbad erstochen...

In „Rififi am Karfreitag“, der bereits 1980 gedreht wurde, sind Stadtsanierung und Bauspekulation – die Londoner Docklands liefern dazu das passende Lokalkolorit – nur der Rahmen für einen Gangsterfilm, der amerikanischen Vorbildern gekonnt nacheifert. Seine Spannung bezieht der Film aus der Unberechenbarkeit des Gangsterbosses und den Machenschaften der Londoner Unterwelt. Viel Action bietet er zu Beginn und am Ende. Zwischendrin stagniert die Handlung etwas. Die lange Exposition muß wortreich aufgelöst werden. Da haben Drehbuchautor und Regisseur ein paar Fäden zuviel geknüpft. Vielleicht wollten sie dem Zuschauer aber auch nur eine Atempause bis zum großen Showdown gönnen.