Bonn verweigert die weitere Förderung der Sonnenenergie

Von Wolfgang Hoffmann

Mit einer Pressemitteilung des Bonner Forschungsministeriums – Datum 8. April 1988 – erteilte die Bundesregierung all jenen eine Absage, die darauf gehofft haben, die saubere Sonne werde künftig idealer Ersatz für "schmutzigen" Strom aus Atom und Kohle. Die amtliche Mitteilung des Forschungsministers läßt jedoch keinerlei Mißdeutung zu: "Solarstrom wünschenswert – aber zur öffentlichen Stromversorgung weit ab von der Wirtschaftlichkeit."

An der Frage der Wirtschaftlichkeit der Sonnenenergie scheiden sich allerdings die Geister. Zwar ist Sonnenstrom allemal technisch machbar, das hat die Forschung längst bewiesen, nach Ansicht der Bonner Forschungsbeamten wäre er jedoch so teuer, daß er nur mit einem erheblichen Konsumverzicht der Bevölkerung zu erkaufen sei. Und wenn die Bevölkerung dazu nicht bereit sei, "weil sie ihre Lebensgewohnheiten nicht ändern will", dann – droht der Forschungsminister – "sind die Investitionen ohne drastische Schäden für die Volkswirtschaft nicht zu finanzieren".

Für den Karlsruher Physiker Werner Buckel, Präsident der Europäischen Physikalischen Gesellschaft (EPG), immerhin eine der ersten Adressen Europas, bestätigt Bonn mit diesem abschließenden Votum nur noch einmal mehr, was er schon seit langem vermutet: "Worte und Taten klaffen weit auseinander; es ist einfach so: Man will die Alternativen im Augenblick nicht."

Physiker Werner Buckel weiß, wovon er redet, wenn er sowohl der Politik wie der Wirtschaft unterstellt, sie wolle die Alternativen nicht. Als Buckel im Frühjahr 1986 die Sonnenenergie-Studie zweier Mitarbeiter des Karlsruher "Entwicklungsbüros System-Innovation" las, kam er zusammen mit seinem Kollegen Eduard Pestel, Mitglied des renommierten "Club of Rome", zu dem Schluß: "Die Solarenergie scheint tatsächlich in einigen Punkten aussichtsreicher, als man bisher glaubte."

Physiker Henry Kalb, Inhaber des Karlsruher Entwicklungsbüros, und sein Mitarbeiter Werner Vogel haben ein in sich geschlossenes Gesamtkonzept erarbeitet, wonach die Bundesrepublik mit solarem Grundlaststrom versorgt werden könnte. EPG-Präsident Buckel fand die Arbeiten der beiden Karlsruher, denen er eine wissenschaftlich einwandfreie Methodik bescheinigt, so plausibel, daß er sie sogleich mit dem Hinweis weiterempfahl: "Dies scheint intensivere Bemühungen zu rechtfertigen."