Wer einen Deutschlandurlaub buchen will und nicht genau weiß, wo sein Traumquartier liegen soll, wird nicht so leicht fündig. Nicht einmal Reisebüros verfügen über einheitliche Informationssysteme. In Kürze will sich deshalb der Bundestag mit der Misere beschäftigen.

Im deutschen Fremdenverkehr herrscht elektronische Kleinstaaterei“, beschreiben übereinstimmend Michael Lücke, Referent beim Deutschen Reisebüro-Verband (DRV), und Gottfried Linke, stellvertretender Fremdenverkehrs-, direktor von München, die Situation. „Wo finde ich was in Deutschland?“ – auf diese Frage können ihm nämlich weder Reisebüros noch sonst jemand im bundesdeutschen Tourismus eine wirklich erschöpfende Antwort geben. Bis heute existiert, trotz EDV-Zeitalter, kein einziger Computer, der einen kompletten Überblick über alle deutschen Ferienangebote liefert, geschweige denn eine Buchung möglich macht.

Wenn es nach den hiesigen Reisebüro-Organisationen geht, dann soll sich das bald ändern. Ob es gelingt, hängt allerdings von der Gnade der deutschen „Tourismus-Landesfürsten“ ab, den Geschäftsführern der zahlreichen regionalen Fremdenverkehrsverbände. Viele von ihnen haben nämlich bereits Computer installiert, mit deren Hilfe sie Ferienquartiere in ihrer Region reservieren können. Nachteilig bei den meisten dieser EDV-Anlagen ist jedoch, daß sie von Region zu Region unterschiedliche Datentechniken benutzen und deshalb nur in Ausnahmefällen auch an Kommunikationsnetze angeschlossen werden können, zu denen Verbraucher oder zumindest Reisebüros direkt Zugang haben (zum Beispiel das öffentliche Postsystem Bildschirmtext/Btx oder das Reisebüro-Computersystem Start).

„Insellösungen“ nennt das eher höflich der DRV und fordert, alle EDV-Regionalnetze zu einem einheitlichen bundesweiten System zu koppeln und den Reisebüros über Start zugänglich zu machen. Nur dann wäre es diesen möglich, mehr als bisher auch deutsche Ferienziele zu vermitteln und sofort entsprechende Kundenanfragen umfassend zu beantworten. Bislang sind die Büros ebensowie ihre Kunden gezwungen, sich durch Berge oft veralteter Ortsprospekte zu wühlen und Zimmer mühevoll telephonisch oder schriftlich zu reservieren.

Gegen einen solchen Datenverbund sträuben sich aber immer noch viele der „Landesfürsten“ – meist aus Konkurrenzgründen oder deshalb, weil sie oft erhebliche öffentliche Gelder in den Aufbau ihres Programms gesteckt haben, das für ein bundesweites Netz völlig umgeschrieben werden müßte.

Über 40 derartige regionale EDV-Reservierungssysteme gibt es inzwischen im deutschen Fremdenverkehr. Unter anderem für den Frankenwald, das Weserbergland, Rheinland-Pfalz und die Stadt München. Deren EDV-Programm ist dabei bis heute eines der wenigen, das auch über das Reisebüro-Start-System direkt zugänglich ist. Bei den meisten übrigen Reservierungszentralen muß man, auch wenn deren Zimmerkontingente schon in Datenbanken gespeichert sind, immer noch auf herkömmlichen Wegen um Auskunft oder Buchung bitten. Nur in einigen Fällen (zum Beispiel Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein) ist der elektronische Zugriff auch über Btx möglich. Btx-Anschlüsse haben nur wenige Endverbraucher, aber eine Reihe von Reisebüros. Ein paar selektierte Deutschland-Angebote gibt es im übrigen in den Datenbanken der großen Reiseveranstalter (TUI, Ameropa, NUR Touristic) und des Amtlichen Bayerischen Reisebüros (Abres-System).

Im Unterausschuß für Fremdenverkehr des Deutschen Bundestages will man nun am 2. Mai darüber beraten, wie dieser im EDV-Zeitalter nahezu anachronistische Zustand beendet und ein einheitliches elektronisches Reservierungssystem für den Deutschlandurlaub eingerichtet werden kann. Vor allem soll über die Kostenträger gesprochen werden. Das Bundeswirtschaftsministerium hat bereits signalisiert, daß es allenfalls Untersuchungen über Selbsthilfe, aber keinesfalls ein derartiges EDV-System direkt finanzieren will. Die „Landesfürsten“ stehen damit vor der Entscheidung, entweder ihre „Inseln“ mit erneuten Investitionen doch noch zu einem bundesweiten Datennetz zu vereinen oder aber weiterhin bei der „elektronischen Kleinstaaterei“ zu bleiben. Hans-Georg Ungefug