Für Leo Kirch kam die „Fahnenflucht“ seiner bisherigen Springer-Poolpartner Franz und Frieder Burda nicht ganz aus heiterem Himmel. Schon an den Vortagen, so verriet der Herr über den größten Filmstock Europas nach dem Verkauf des 26prozentigen Springer-Pakets der Burda-Brüder an die Erben des Hamburger Großverlegers engen Vertrauten, habe er ein ungutes Gefühl gehabt. Finanziell kann der Springer-Flop dem Filmkaufmann, der sich bei seinem Engagement auf die Hilfe der Deutschen Genossenschafts-Bank stützen konnte, indes kaum etwas anhaben. Sein Filmgeschäft, so ist zu hören, laufe zur Zeit bestens, so daß er sich nicht einmal von seinem zehnprozentigen Springer-Anteil trennen müsse.

Bei seinen Bemühungen um einen größeren Medienverbund will Kirch das Kapitel Springer jedoch zügig abhaken. Er hofft, über ein Engagement im Ausland schneller ans Ziel zu kommen. Seine Springer-Aktien könnten ihm dabei als Tauschobjekt vielleicht einmal von Nutzen sein. Auch Kanzler Helmut Kohl, der sich nach Bekanntwerden des Burda-Springer-Deals in der vergangenen Woche spontan telephonisch bei Kirch meldete, riet, das ohnehin wenig tragfähige Syndikat mit Burda möglichst schnell zu vergessen.

Nicht so schnell vergessen dürften dagegen die Brüder Franz und Frieder Burda den Verkauf des Springer-Pakets. Denn inzwischen hat Hubert Burda, Chef des Burda Verlags, seine Brüder verklagt. Hubert Burda bezieht sich dabei auf eine Grundsatzvereinbarung zwischen den Brüdern: „Die Brüder räumen sich gegenseitig für die übernommenen Beteiligungen Vorkaufsrechte ein.“ Den Streit soll nun das Offenburger Landgericht klären. Es geht um die unterschiedliche Auffassung, ob Springer eine „übernommene Beteiligung“ ist.

Überdies fürchtet Hubert Burda, daß sich der Hamburger Bauer Verlag, der bereits von seinen Brüdern ins Spiel gebracht wurde, bei Springer einkauft. Für den kleineren Burda Verlag geradezu existenzbedrohend. Ursprünglich hatte Verleger Axel Springer alle drei Brüder zu seinen Erben gemacht. Das Bundeskartellamt untersagte die Übernahme der Springer-Mehrheit. Ende 1986 kam es schließlich zur Erbteilung bei den Burdas – Hubert übernahm Verlag und Druckereien, Franz und Frieder neben anderen Beteiligungen das Springer-Paket.

Anfangs durfte er sich Hoffnungen machen, in den neuen Aufsichtsiat der europäischen Airbus-Industrie einzuziehen. Doch Rolf Siebert, der Geschäftsführer der Deutschen Airbus GmbH (DA) ist, wird die deutsche Sache im Airbus-Kontrollgremium nicht vertreten können. Zwar ist vorgesehen, daß die vier Airbus-Länder Frankreich, Großbritannien, Spanien und die Bundesrepublik die Chefs ihrer Partnerfirmen in den gestrafften Aufsichtsrat entsenden. Doch Hanns-Arnt Vogels, Vorsitzender der Geschäftsführung von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), will sich diese Rolle nicht aus der Hand nehmen lassen. Schließlich ist Vogels der Chef des Unternehmens, das rund dreißig Prozent des Airbusses baut, während die DA eine einhundertprozentige MBB-Tochter und im Grunde nur eine reine Verwaltungsgesellschaft ist. Aber Siebert soll nicht leer ausgehen, wenn demnächst die Führungsstruktur des Airbus-Konsortiums verändert werden soll. Vorsorglich hat MBB schon jetzt gefordert, daß im ebenfalls neu zu bildenden Airbus-Vorstand die deutsche Seite den Finanzchef stellen soll. Kandidat für diesen zentralen Posten wäre Siebert.

Bei Deutschlands bekanntestem Informationsdienst kommt es zu einem Wachwechsel. Gerhard Czerwensky, 68, seit neunzehn Jahren Chef des Platow-Briefes und am Börsenplatz Frankfurt eine Institution unter den Finanzjournalisten, wird voraussichtlich am 1. Oktober seinen Schreibtisch räumen und einem jüngeren Kollegen Platz machen. Denn an diesem Tag wird Peter-Christian Müller, 50, zur Zeit noch Leiter des Wirtschaftsressorts bei der großen bayerischen Regionalzeitung Augsburger Allgemeine, den Posten bei Platow übernehmen. Den Vertrag mit dem Haupteigentümer des Platow-Briefes, dem Bertelsmann-Konzern, hat Müller vor kurzem unterschrieben.

Ohne Probleme geht der Wechsel allerdings nicht über die Bühne. Seinem Arbeitgeber hat Czerwensky zu verstehen gegeben, daß er noch nicht aufs Altenteil möchte. Er wünscht sich nach seinem Ausscheiden beim Platow-Brief „völlige berufliche Freiheit“. Eine Konkurrenzklausel, die ihm eine seiner jetzigen Tätigkeit vergleichbare Arbeit verbieten könnte, lehnt er „strikt ab“.

Marie-Luise Hauch-Fleck