Mit ihrer Anti-Atomwaffenpolitik sorgen die Dänen in der Nato wieder einmal für Ärger. Nach einer Abstimmungsniederlage im Parlament rief der konservative Ministerpräsident Schlüter Neuwahlen aus.

Die Nukleare Planungsgruppe der Nato verlegte ihre Tagung aus dem dänischen Kolding nach Brüssel; Nato-Generalsekretär Lord Carrington verschob seine Abschiedsvisite in Kopenhagen; die britische Navy sagte einen für Anfang Mai geplanten Flottenbesuch ab. Die Verbündeten zeigen dem eigensinnigen Dänemark die kalte Schulter.

Grund all der Aufregung: Mitte des Monats beschloß das Parlament in Kopenhagen, künftig solle jedes Kriegsschiff, das einen dänischen Hafen anläuft, schriftlich davon in Kenntnis gesetzt werden, daß Dänemark in Friedenszeiten auf seinem Territorium keine Atomwaffen duldet. Amerikaner und Briten verweigern aber prinzipiell jede Auskunft darüber, ob ihre Schiffe Nuklearwaffen mit sich führen. Als Neuseeland seine Häfen für atomgetriebene oder mit Kernwaffen bestückte US-Schiffe sperrte, kündigte Washington die militärische Zusammenarbeit mit Wellington im Anzus-Pakt auf.

Dänemark jedoch, das die Zugänge zur Ostsee kontrolliert, ist für den Westen von strategisch ungleich größerer Bedeutung als das ferne Neuseeland. Entsprechend heftig fiel vor allem die amerikanische Kritik am Folketing-Beschluß aus. Aber auch für die bürgerliche Minderheitsregierung in Kopenhagen unter dem Konservativen Poul Schlüter wurde durch das Votum im Parlament die Grundsatzfrage aufgeworfen, wie es die Dänen mit der Nato-Mitgliedschaft halten. Der Regierungschef setzte für den 10. Mai Neuwahlen an.

"Dieser Schritt geht zu weit", erklärte Schlüter vor den Abgeordneten. Es war die 23. Abstimmungsniederlage in der Sicherheitspolitik, seit die Bürgerlichen 1982 die Sozialdemokraten in der Regierung ablösten. Immer wieder mußte Schlüter, sehr zum Mißfallen der Verbündeten und gegen seine eigenen Überzeugungen, "Fußnoten" in Nato-Kommuniques anbringen.

Die schrillen Reaktionen aus Washington, London und Brüssel werden den Regierungschef in der Überzeugung bestärkt haben, es sei für Dänemark höchste Zeit, Bündnistreue und Verteidigungswillen zu demonstrieren. US-Außenminister Shultz warnte Kopenhagen vor "äußerst ernsthaften Konsequenzen für die amerikanisch-dänische Zusammenarbeit". Nato-Generalsekretär Lord Carrington sah "äußerst schlimme Folgen" voraus. Und Margaret Thatcher machte Außenminister Ellemann-Jensen am Telephon klar, Dänemark könne in einer Krise nicht mehr auf britische Hilfe zählen, falls es den Parlamentsbeschluß verwirkliche.

Der Chef der dänischen Sozialdemokraten, Svend Auken, verwahrte sich gegen solcherlei "Einmischung" der Verbündeten. "Dänemark entscheidet selbst", lautet die Wahlkampfparole der Sozialdemokraten. Auch sie wollen an der Nato-Mitgliedschaft nicht rütteln, so wenig umgekehrt die Konservativen den seit 1957 bestehenden Konsens über die Atomwaffenfreiheit Dänemarks in Friedenszeiten aufkündigen wollen.