Über den Bildschirm zischen Laserstrahlen und vermitteln den Eindruck von Modernität und Fortschritt. Knappe Filmausschnitte preisen unternehmerische Erfolge. Eine Firma produziert Ziegel aus Bauschutt. Eine andere hat ein Rettungsgerät entwickelt, das auf Körperwärme anspricht. Eine dritte hat mit einem neu gestalteten Radioapparat einen Markt in Japan gefunden. Jedesmal hatte der Staat seine helfende Hand im Spiel, indem er den Unternehmern Rat zuführte und die Hälfte der Beratungskosten übernahm. Am Ende der Werbeeinblendung erscheint eine Telephonnummer, die man kostenfrei wählen kann, wenn man mehr über die enterprise initiative erfahren will, die für vier Millionen Pfund oder rund zwölf Millionen Mark allein per Werbefernsehen publik gemacht wird. Für rund eine Million Pfund wird in Zeitungen geworben.

Lord Young praktiziert im eigenen Hause, was er landauf, landab predigt: Den Dienstleistungen gehört die Zukunft, und als Erbringer von Dienstleistungen versteht er sich selbst und sein Ministerium für Handel und Industrie. "Wir haben Kunden, und der Kunde ist König." Auf den ersten Blick ein etwas verblüffendes Bekenntnis aus dem Munde eines Vertreters des Staatsapparats, von dem man gemeinhin eher Verwaltung als Bedienung erwartet. Aber Young ist seinem Herkommen nach Geschäftsmann mit dem Temperament und Flair eines Verkäufers. "Regierungsprogramme müssen vermarktet werden wie Konsumartikel. Wenn die Leute sie nicht kennen, wissen sie auch nicht, wie sie davon profitieren können."

Der 55jährige Young, der sich selbst in der Bauinduststrie und im Immobilienhandel versucht hat, sieht seine Aufgabe darin, in Großbritannien unternehmerischen Geist zu entwickeln. Margaret Thatcher schätzt den Missionar ("Er bringt mir Lösungen, wo andere mit Problemen kommen"), beauftragte ihn erst mit der Organisation der Berufsausbildung, gab ihm dann das Arbeitsressort, schließlich das Handels- und Industrieministerium und machte den Sohn eines jüdischen Einwanderers aus Litauen zwischendurch auch noch zum Lord.

Der agile und charmante Verkünder von free enterprise – enterprise heißt sowohl Unternehmen wie Initiative oder Wagnis – machte sich auch in seinem neuen Posten schnell ans Werk, krempelte das Ministerium um und "orientierte es auf den Markt". Er ist von den Segnungen des Marktmechanismus überzeugt, sieht aber als Praktiker auch eine Rolle des Staates. So wird er zwar die generellen Investitionszuschüsse in Entwicklungsgebieten streichen, aber die Vollmacht behalten, eine bestimmte förderungswürdige Betriebsansiedlung durch gezielte Hilfe anzulocken, wenn sie sonst für das Land verloren ginge. Konservative Puristen sehen diesen Interventionismus gar nicht gern.

Youngs besonderer Eifer gilt den Plänen, den kleinen und mittleren Unternehmen eine Hand zu reichen. Enterprise initiative tönt die frohe Botschaft. Es ist ein Beratungsdienst für Firmen mit weniger als fünfhundert Mitarbeitern. Ob es um die Gestaltung der Produkte geht oder die Verkaufsmethoden, Qualitätskontrolle oder Finanzplanung, Produktionsabläufe oder Forschung und Technik – Young hat für jeden die richtige Adresse. Nicht Beamte, sondern Fachleute aus der Privatwirtschaft werden den Rat geben. Die Regierung trägt die Hälfte der Beratungskoste, in Entwicklungsgebieten zwei Drittel. Über 220 Millionen Mark sind im kommenden Finanzjahr dafür im Etat eingestellt.

Demnächst wird also die Beratung zu einem blühenden Gewerbe werden. Young gibt zu, daß es im Augenblick gar nicht genug Ratgeber gibt. Auch als die neue Berufsausbildung eingeführt wurde, habe es zunächst an Ausbildern gemangelt. Aber die seien bald erschienen, als sich Nachfrage nach ihnen einstellte. Kritiker meinen, die Qualität der Ratgeber, von denen Young fünfhundert an der Zahl erwartet, werde kaum hoch sein. Hauptsächlich werde wohl pensionierten Angestellten ein Zubrot gereicht.

Die Botschaft muß natürlich unters Volk gebracht werden. Broschüren wurden in einer Weise gestaltet, als ob darin Investmentanteile oder Versicherungspolicen angeboten würden. Eine schwungvolle Kurve geht aus einem stilisierten e für enterprise in eine aufwärts strebende Linie mit Pfeilspitze über. Die Buchstaben DTI (Department of Trade and Industry) sind auf den Briefköpfen nun zu einem rasanten Markenzeichen umgestaltet. Der Untertitel lautet nun department for enterprise, und so melden sich die Telephonzentralen, wenn man beim Ministerium und seinen Außenstellen anruft. Sie sollen, so Young, anfügen: "Wie kann ich Ihnen helfen?"