Von Uta van Steen

Wenn es denn ein Ende der Welt geben soll, dann liegt es mit Sicherheit in Britisch Honduras.

Aldous Huxley

Wie kann man einen Stadtmenschen, der eben noch Softeis im flamingorosa Miami Airport gelutscht hat, einen größeren Schrecken einjagen, als ihn vom Flugzeug weg in ein Fischerboot zu stopfen und auf einer einsamen Insel wieder freizulassen?

Bluefield Range ist einer jener Orte, wo man um sechs Uhr aufsteht, schwimmen geht, sich sonnt, am Strand liegt, wieder ein Stündchen schwimmen geht – und dann schaut man auf die Uhr, und es ist Viertel nach sechs. Überhaupt Insel: der reinste Euphemismus für vier einsame Pfahlhüttchen mitten im Meer, garniert mit etwas Mangrovensumpf.

Bevor der Hurrikan kam, erzählt der alte Eterio, der hier zusammen mit seinem Sohn Ricardo wohnt, hatten die Hütten noch richtiges Festland unter sich. Seitdem aber leben die beiden und ihre Gäste in einem besonnten Aquarium. Der Weg von einem Pfahlbau zum anderen führt unerbittlich durchs schenkelhohe karibische Meer. Warm, durchsichtig und zartblau – aber eben naß – vermittelt es dem Insulaner das Gefühl, die Hauptrolle in einem Cousteau-Film zu spielen. Unterm Bett, sozusagen, zieht ein lustiger Strom bunter Fische vorbei. Auf dem Weg in Eterios Schlafzimmer, das gleichzeitig als Küche und Restaurant dient, lauern tortillaflache Rochen und Seesterne. Und unterm Toilettenhäuschen mit einem großen Loch im Boden spielen possierlich Babyhaie.

Endlich hat man einmal Zeit. Viel Zeit. Zeit für sich selbst. Zum Nichtstun. Oder für Proust und Joyce. Frieden und Ruhe – ohne störenden Lärm, ohne ablenkende Aussicht. Stunde um Stunde starren die Ausgesetzten in ihrem karibischen Zen-Kloster auf die sanfte Wasserwüste. Sanft auch fällt der Abendregen, sanft kommt die Dämmerung und geht sie wieder. Es ist zum Wahnsinnigwerden.