Obwohl sich das konjunkturelle Umfeld etwas aufzuhellen scheint und sich der Dollar stabilisiert hat, bot der deutsche Ak-; tienmarkt in den vergangenen Tagen ein trostloses Bild. Immer mehr Anleger scheinen sich dem Käuferstreik anzuschließen. Als Begründung dienen vorrangig die steigenden Zinsen. Die Äußerungen von Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl, der angesichts des Geldmengenwachstums keine weiteren Zinssenkungen mehr für möglich hält, haben für Pessimismus auf dem Rentenmarkt gesorgt.

Selbst der auf kurzfristige Kursgewinne spekulierende Berufshandel ist bei den Aktien weitgehend zur Untätigkeit verdammt. Die Banken lassen ihm nur noch einen eng begrenzten Spielraum. Der Grund: die kostspieligen Schieflagen der jüngsten Vergangenheit. Das gilt vor allem für AEG, wo das Barabfindungsangebot von Daimler schmerzliche Verluste gebracht hat. Aber auch die Einigung zwischen Springer und Burda verursachte bei vielen mit Kampfkursen rechnenden Spekulanten empfindliche Einbußen.

Hoffnungen setzen die Börsianer jetzt auf die bevorstehenden Dividendenzahlungen der Großbanken und der Großchemie. Sie meinen, daß wenigstens ein Teil der Aktionäre die frei werdenden Gelder wieder in Aktien anlegt. Viele Banken weisen in diesem Zusammenhang auf Papiere des Maschinenbaubereiches hin, bei dem einige Unternehmen neuerdings wieder mit steigenden Auftragsbeständen aufwarten können. K.W.