Von Gunhild Freese

ARD-Sportreporter Heribert Faßbender mochte seinen Zuschauern die trüben Aussichten nicht verheimlichen. In seine Reportage am Mittwoch der vergangenen Woche aus dem Bremer Weserstadion vom Uefa-Cup-Halbfinale Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen flocht er die düstere Prophezeiung, daß so etwas wohl bald keiner mehr sehen könne. Und sein Kollege Manfred Vorderwülbecke mochte es selbst nicht glauben, was er den Zuschauern der Sportschau am vergangenen Sonnabend zu erzählen hatte: daß künftig die Sportschau ohne Fußball über den Bildschirm laufen könne.

"Reine Stimmungsmache, nichts als Propaganda", ärgert sich Manfred Harnischfeger, Sprecher des Gütersloher Bertelsmann-Konzerns.

Doch genau so könnte es kommen. Der Sportschau, seit über 25 Jahren jeden Sonnabend um 18 Uhr 5 im Ersten, die Sportsendung im deutschen Fernsehen schlechthin, die meist von zehn bis fünfzehn Millionen Menschen gesehen wird, droht das Aus. Denn die UFA Film- und Fernseh-GmbH, eine Bertelsmann-Tochter, möchte dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die nächsten drei Jahre die Übertragungsrechte für die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga abkaufen – für satte 135 Millionen Mark. ARD und ZDF bieten gerade die Hälfte. Zwar betont UFA-Geschäftsführer Bernd Schiphorst, daß sämtlichen TV-Sendern die Rechte angeboten werden. Besonders profitieren aber soll ein TV-Unternehmen: RTL plus, ein Ableger von Radio Luxemburg, an dem Bertelsmann zu 38,5 Prozent beteiligt ist. RTL-plus-Sportchef Ulrich Potofski plant für die kommende Bundesliga-Saison bereits einen heißen Fußballabend. Vier Spiele der ersten Liga möchte er von 19 bis 22 Uhr in ausführlichen Ausschnitten zeigen, garniert mit Interviews, Spiel und Show.

Mit dem tiefen Griff in die Kasse wollen die Berteismänner ihrem schmächtigen Schützling kräftig unter die Arme greifen. Denn bislang kann der Privatsender – ebenso wie sein wichtigster Konkurrent Sat 1 – vorwiegend nur per Kabel empfangen werden. Und da kommt RTL plus nicht eben gut ins Bild, wie die Nürnberger Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung ermittelte. In den TV-Haushalten, die auch Kabel- und Satellitenprogramme empfangen können, erreichte der Bertelsmann-Sproß in den ersten drei Monaten dieses Jahres lediglich einen Marktanteil von 9,2 Prozent. Sat 1 hingegen brachte es auf 21,5 Prozent. Das ZDF schnitt nur wenig besser ab mit 22,8 Prozent. Marktführerin bleibt die ARD mit 26 Prozent.

Schon vor Wochen war es deshalb zwischen den RTL-plus-Eignern zum Streit über das Programm gekommen. Der Einstieg in das attraktive Fußballgeschäft könnte nun endlich Abhilfe schaffen. Die lukrative Bertelsmann-Offerte kam bei den Kickern gut an. Vor allem die stets klammen Bundesligavereine machten sich für den Gütersloher Geldsegen stark. Schnell nämlich hatten sie ausgerechnet, was für sie dabei herausspringt: 1,3 Millionen Mark zusätzliche Einnahmen für die Erstligisten. Und 350 000 Mark für die Zweitligavereine. Hartwig Pieppenbrock, Präsident des VfL Osnabrück und Zweitliga-Sprecher: Für ihn sei die Sache "bereits vom Tisch". Er habe die Mehreinnahmen schon verplant.

Die Begierde der Präsidenten ist verständlich, müssen sie sich doch mit einem unaufhaltsamen Zuschauerschwund in den Stadien plagen. Die Schuld daran trägt nach Ansicht vieler Vereine das Fernsehen, das die Zuschauer daheim mit zu viel Fußballübertragungen satt und bequem mache. Ausgerechnet das Fernsehen soll nun helfen. Mit höheren Einnahmen, so machten sich die Präsidenten selbst etwas vor, könne man ja die Eintrittspreise wieder senken. Die wahre Ursache ihrer Misere freilich hielt ihnen die BILD-Zeitung vor: "Es wird einfach schlechter Fußball gespielt."