ZEIT: Reform, nicht Abschaffung der Gemeinnützigkeit, das fordern Sie mit Blick auf die gemeinnützigen Wohnungsbauunternehmen, die jetzt allem Anschein nach ihre Steuerprivilegien behalten werden. Was ist eigentlich reformbedürftig?

Jahn: Das eine ist die Größe, zu der manche gemeinnützige Gesellschaft anwuchs unter dem Druck der Notwendigkeit, viele Wohnungen schnell zu bauen. Diese Größe steht nicht mehr im Einklang mit dem Ursprungsgedanken gemeinnütziger Genossenschaften.

ZEIT: Das heißt, die sollen jetzt kleiner werden?

Jahn: Sie sollten über eine bestimmte Größe nicht hinausgehen, auch im Interesse der zweiten notwendigen Überlegung: Es müssen die Aufsichtsorgane gestärkt, die gesetzlichen Prüfungsbestimmungen und nicht zuletzt die Mitbestimmungsrechte der Mieter ausgebaut werden. Die staatlichen Organe müssen zudem ihrer Überwachungspflicht besser nachkommen. Denn es hat sich ja im Zusammenhang mit dem Debakel um die Neue Heimat herausgestellt, daß das in allen Bundesländern nicht gerade mit großem Nachdruck erfolgt ist.

ZEIT: Wollen Sie neben der Aufsichtspflicht andere Elemente der Gemeinnützigkeit reformieren? Es gibt ja noch die gesetzliche Baupflicht oder die begrenzte Gewinnausschüttung. Zudem dürfen Mieten nur entsprechend den angefallenen Kosten kalkuliert werden.

Jahn: Diese Elemente müssen erhalten bleiben, weil darin jene sozialen Garantien für die Mieter abgesichert werden, die den eigentlichen Wert und Nutzen der Wohnungsgemeinnützigkeit ausmachen.

ZEIT: Was wäre zu befürchten, wenn die Bundesregierung an ihrem Plan festhielte und den gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften die steuerlichen Privilegien streicht?