Hamburg

Wieviele polnische Roma-Familien kann die Mietergemeinschaft eines Mehrfamilienhauses verkraften? Nicht eine, meint die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft Saga in Hamburg. Was sich anhören mag, wie eine Frage aus einem Quiz zur Ausländerfeindlichkeit, hat einen realen Hintergrund.

Ende März wurden 36 Menschen nach einem Dachstuhlbrand ihres Hauses im Hamburger Arbeiterviertel Wilhelmsburg obdachlos. Für neun von ihnen – Deutsche und Türken – fand sich schnell eine neue Bleibe. Nicht so für die 27 polnischen Roma. Wochenlang mußten die sechs Familien notdürftig in einem Schulpavillon hausen, weil die Saga ihnen keine „Geschoßwohnungen“, sprich Etagenwohnungen in Mehrfamilienhäusern, vermieten will.

„Mit keiner anderen Personengruppe haben wir solche Schwierigkeiten. Ich weiß nicht, ob die polnischen Roma integrationsunfähig oder nur – unwillig sind. Vielleicht sind sie nicht dafür geeignet, in Etagenwohnungen zu leben“, begründet Friedrich Gatermann, Pressesprecher der Saga, um moderaten Tonfall und moderate Wortwahl bemüht, die Ablehnung. Die Hamburger Ausgabe der taz hatte ihn so wiedergegeben: „Die sind fast alle vom platten Land und haben es nie nötig gehabt, Rücksicht zu nehmen... Sie leben sehr ungeniert.“ Heute möchte Gatermann diese Sätze nur noch „als in der Tendenz richtig, aber falsch zitiert“ akzeptieren.

Ungeniert – das heißt für die Saga: Die Roma sind laut, sie stören die Nachtruhe, können sich nicht an die sperrholzdünnen Zwischenwände deutscher Sozialbauwohnungen gewöhnen, leben im großen Familienverband, bekommen häufig Besuch, und „die Kinder sind sehr robust und durchsetzungsfähig“, so der Pressesprecher.

Als Rassist und als intolerant sei er nun schon beschimpft worden, beklagt sich Friedrich Gatermann. „Dabei müssen wir doch auch an die Interessen unserer anderen Mieter denken. Wo polnische Roma auftauchen, gibt es sofort Mordsterror, alteingesessene Mieter drohen uns sofort mit Kündigung.“ Der Pressesprecher findet es höchst unfair, „wenn die Saga-Mieter immer wieder mit schwierigen Nachbarn konfrontiert werden und mit ihrer Miete auch noch die 18 Sozialarbeiter finanzieren müssen“.

Obwohl, wie Gatermann betont, nur die Nationalität, nicht aber die völkische Zugehörigkeit statistisch erfaßt wird, ist sich die Saga sicher, daß es die polnischen Roma sind, denen man den immer wiederkehrenden Ärger zu verdanken habe. „Man kann die Roma-Zugehörigkeit oft an Äußerlichkeiten erkennen“, weiß der Pressesprecher und fügt hinzu: „Wir haben der Stadt Hamburg gesagt, wenn ihr uns die weiterhin gewaltsam aufs Auge drückt, dann nur mit entsprechend intensiver Betreuung.“