Von Rainer Busch

Was kostet die Hoffnung? Die Hoffnung kostet 3,10 DM und wiegt 350 Gramm. Sie besteht aus einem Schnellhelfter mit durchsichtigem Deckblatt und einigen Klarsichtfolien. Meist dauert es mehrere Tage, bis die Hoffnung steht: Der Personalbogen will aufmerksam gelesen und mit Bedacht ausgefüllt sein, das Anschreiben ist individuell zu verfassen. Ab und an ist zu einem vorgegebenen Thema ein kleiner Aufsatz zu schreiben. Aber bitte nicht länger als zwei Seiten. Die Hoffnung, das ist meine Bewerbungsmappe.

Ich habe Politik und Volkswirtschaft studiert, will den Beruf des J. erlernen. Seit meinem Examen Mitte letzten Jahres sind meine Hoffnungen arg strapaziert worden. Ich habe nur Ablehnungen erhalten, 17 insgesamt.

Fast immer sind es hektographierte Schreiben von grausamer Ähnlichkeit, die einen hilflos zurücklassen. „Zu viele Bewerber“ – „Wir danken Ihnen für Ihr Interesse“, heißt es dort lapidar, und es folgt der unvermeidliche Satz: „Für Ihre Zukunft wünschen wir Ihnen alles Gute.“ Gründe werden nicht genannt. Nur einmal habe ich von einer kleinen Agentur eine persönlich abgefaßte Ablehnung bekommen. Dort hätte ich gern gearbeitet.

Doch am Mittwoch die Überraschung: „Wir freuen uns auf Ihr Kommen.“ Der H.-Verlag in D. lädt zu einem persönlichen Gespräch. Verwundert reibe ich meine Augen. Kann das wahr sein? Ich lese erneut. Ja, dort steht es immer noch: Am Montag werde ich das erste Bewerbungsgespräch meines Lebens führen.

Was bisher nichts anderes war als eine von vielen Bewerbungen, verliert plötzlich an Abstraktion, nimmt langsam Konturen an. Das macht mich nervös und angespannt, aber auch hoffnungsvoll. Werde ich endlich in dem Beruf, den ich will, arbeiten können? Ist diese schreckliche Wartezeit endlich vorbei?

Aber auch Zweifel breiten sich aus. Was wird mich erwarten? Wir kann ich mich vorbereiten? Ich frage Freunde um Rat, stoße in einschlägigen Publikationen („Wie bewerbe ich mich richtig?“) auf wertvolle Hinweise („Am besten, Sie geben sich ganz natürlich“). Ich klopfe meinen Lebenslauf auf Schwachstellen ab, frage mich beim Frühstück, welches Buch ich zuletzt gelesen habe.