Manche Diskussionen sind schon deshalb absurd, weil sie stattfinden. Bei keinem Bundespräsidenten seit Theodor Heuss waren sich die Bürger so einig wie bei Richard von Weizsäcker: Eine zweite Amtszeit wäre zum Besten des Landes. Aber unsere Parteien leisten sich lieber taktische Spiele.

Wie schon bei der ersten Kandidatur Weizsäckers läßt Kanzler Kohl den Eindruck aufkommen, er habe Vorbehalte. So können Sozialdemokraten, Liberale und Grüne die Union vorführen. Zwar hat CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sich schon für eine weitere Amtszeit des Staatsoberhaupts ausgesprochen; aber das nützt noch nicht viel, zumal die CSU öffentlich fordert, was mancher in der Union nur vor sich hinmurmelt: Erst einmal müsse sich Weizsäcker regelrecht darum bewerben. Doch dieses Hin- und Herschieben der Initiative ist des Amtes wie seines Inhabers unwürdig. Niemandem bräche ein Zacken aus der Krone, wenn sich alle Parteivorsitzenden alsbald zusammensetzten und Klarheit schüfen.

Kürzlich sagte Kohl im Zorne, er könne ja gleich „zum Richard“ gehen und seinen Abschied nehmen. So weit muß es ja nicht gleich kommen. Aber warum geht der Kanzler nicht zu Weizsäcker und sagt ihm schlicht, er solle bleiben?

R. L.