Amerikanische Reporter stellen die verbotensten Fragen – und Präsidenten beantworten sie: peinvoll-bekennerhaft einst Jimmy Carter, mit Humor, Freundlichkeit und Souveränität Ronald Reagan. George Skelton von der Los Angeles Times erinnert sich: Vor fünf Jahren hatte der 72jährige Reagan zu drogen-und alkoholsüchtigen jungen Leuten gesprochen und sie ermuntert, auf ihren Körper achtzugeben: „Wenn ihr erstmal so weit seid wie ich, werdet ihr merken, es zahlt sich aus, diese Maschine pfleglich zu behandeln, man kann sich dann seine Schuhe noch selbst binden und die Socken anziehen, ohne sich hinsetzen zu müssen. Und man kann noch viele andere Dinge tun, die noch viel mehr Spaß machen.“ Großes Gelächter. Hatte er Sex gemeint, wie alle Welt vermutete und auch schrieb? Skelton wollte es genau wissen, er fragte Reagan während eines langen Interviews auf einem Flug mit der Air Force One. Er habe eigentlich an Baumbeschneiden, Reiten, Schwimmen, Tauchen gedacht, nicht an Sex, antwortete der Präsident kichernd. Allerdings habe er an der Reaktion der Jungen sofort bemerkt, daß die seine Worte anders interpretiert hatten. „Well“, sagt der Reporter, „ich befinde mich auf schwankendem Boden, o.k.?“ Mr. Reagan: „Fein.“ „Aber“, fährt Skelton unverdrossen fort, „ich muß einen 72 Jahre alten Präsidenten fragen...“ „Yeah?“ „...ob Sie noch ein aktives Sexleben haben?“ Mr. Reagans Augen öffneten sich weit, erinnert sich Skelton in der Herald Tribune, er grinste breit und lachte. Sein Sprecher fiel fast von der Couch. „Ich glaube nicht, nein, George – und ich erinnere mich an Mr. Carter in Playhouse (sie) und so weiter“, antwortet Reagan, sich auf Carters Interview im Playboy 1976 beziehend, in dem der sich zur Lust bekannt hatte, „nein, dieses ist ein Thema, von dem ich mich lieber fernhalte.“ Und dann plauderten sie weiter: über das Alter, den Tod, den Glauben. mg