DIE ZEIT

Abgestempelt

Wer hätte das gedacht? Hunderttausende von Bundesbürgern wollen den Euro-Paß, den neuen Personalausweis haben – und dies, obwohl beide Dokumente im Interesse der inneren Sicherheit von Maschinen gelesen werden können.

Amerikas Schutz

Die Morgenröte, die Ronald Reagan seinem Land versprochen hatte, entpuppt sich immer mehr als abendliches Dämmerlicht. Anstelle der Hoffnung auf eine Zukunft voller Chancen macht sich bei vielen Amerikanern die Angst vor einem wirtschaftlichen Niedergang breit.

Geschönt

Nichts zeigt die Schwächen der Bonner Wirtschafts- und Finanzpolitik drastischer als die Arbeitslosenstatistik. Seit der Wende im Herbst 1982 ist die Zahl der Arbeitslosen um etwa eine halbe Million gewachsen.

Gerichtstag

Am Sonntag ist Gerichtstag in Schleswigiolstein. Dies wird keine Landtagswahl ein wie viele andere, sondern ein Urnengang eigener Art: Die Barschel-Affäre wird rituell zu Grabe getragen.

Zweiter Mann im Kreml: Der Anwalt der Parteiarbeiter

In der Prominentenwohnung unweit von Kreml und Kalinin-Prospekt ging es fröhlich zu. Die Schwiegertochter Jegor Ligatschows, des zweiten Mannes in der Sowjethierarchie, feierte die gelungene Verteidigung ihrer Dissertation.

Wolfgang Ebert: Noch eine Reform

Achtung! Hier ist die erste Satire seit der im Bundestag in dritter Lesung beschlossenen Satire-Reform. Sie reiht sich würdig in die Reihe der großen Reformen unserer Tage ein – Steuer, Gesundheit, Post – wenn sie sich, auch schon vom Format her, keineswegs mit diesen „Jahrhundertwerken“ messen kann.

Vorwahlen in den USA: "Wer besitzt eine MX-Rakete?"

Mit freudiger Erwartungsmiene verkündet der Versammlungsleiter, als gelte es, einen Messias zu empfangen: "Er ist unterwegs – gleich wird er hier sein – nur noch wenige Minuten!" Von Mal zu Mal klingt er dramatischer, obwohl ihm anzumerken ist, daß er eigentlich die Hände ringen möchte.

Die Bürde des Friedens

Seit Dienstag verhandeln die Vereinigten Staaten, Südafrika, Kuba und Angola über ein Ende des Krieges

Nach den Wahlen in Südkorea: Geteilte Macht

Daß in dem vierzig Jahre lang autoritär regierten Südkorea dem Präsidenten zum ersten Mal im Parlament eine Mehrheit der Opposition gegenübersteht, ist ein hoffnungsvolles Zeichen.

WELTBÜHNE: Stimmen aus dem Äther

Auf die Tante BBC, wie die Engländer liebevoll ihre staatliche Fernseh- und Rundfunkanstalt nennen, ist Verlaß. Mehrmals am Tag strahlt der internationale Dienst des Senders aus London dreißig Minuten lang Nachrichten aus.

NACHLESE: Der Patriarch im Kreml

Not lehrt Beten – das hatte 1943 sogar Stalin dazu bewogen, 26 Jahre nach dem revolutionären Kirchensturm einen russisch-orthodoxen Patriarchen einzusetzen, im Kreml zu empfangen und als Verbündeten im „vaterländischen Krieg“ zu gewinnen.

BONNER BÜHNE: Frischwärts gen Pfingsten

Ach ja, wie war vordem die Koalitionsluft doch so schön. Wie weggeblasen, so hörten wir es ja erst vor vier Wochen, sei plötzlich alles, was noch die Osterpause so lästig ausgefüllt hatte: Dieser Streit um die Programm-Papiere der CDU und die albernen Spekulationen über künftige Bündnisse.

KURZPORTRAIT: Abschied im Zorn

Sein Gehen erregt soviel Aufsehen wie sein Kommen. Der amerikanische Rabbiner Isaac Neumann verläßt Ost-Berlin im Zorn. Die jüdische Gemeinde der DDR gibt ihm bittere Worte mit auf den Weg.

Es grünt so grün...

Wie Verbraucher und Industrie auf die Verunsicherung durch die Inflation der Umweltskandale reagieren

Tatort Landwehrkanal

Siebzig Jahre nach der Ermordung: Ein Denkmal für Rosa Luxemburg weckt Emotionen

Griff nach dem Stern

Mit der Übernahme der Texaco wird das RWE zum größten deutschen Energiekonzern

Warum erst jetzt?

Auch Johannes Rau hat das Unmögliche nicht möglich gemacht. Der Vorstand von Krupp Stahl hält unbeirrt an seiner Absicht fest, das Hüttenwerk im Duisburger Ortsteil Rheinhausen zu schließen.

Airbus: Ostwärts

Kaum stehen sie einmal nicht in Konkurrenz zueinander, schon ziehen sie brav am gleichen Strang. Die beiden größten Passagierflugzeugbauer der westlichen Welt, Boeing und Airbus Industrie, die sich in den zurückliegenden Jahren gegenseitig immer aufs neue unlautere Geschäftspraktiken vorwarfen, vergessen diese tiefsitzende Rivalität, wenn es um den Ostblock geht.

Bonner Kulisse

Lob und Anerkennung für in- und ausländische Arbeitnehmer in der Bundesrepublik spendete Wirtschaftsminister Martin Bangemann großzügig zum Maifeiertag, Gewerkschafter und Betriebsräte ausdrücklich eingeschlossen.

Ratenkredite: Entschuldet

Die Verlockung ist groß. Banken und Sparkassen schmeißen ihren Kunden die Kreditanträge förmlich nach, geben schnell und unbürokratisch Bares auf Pump.

Klaus-Peter Schmidt:: Ein Ritual ohne Nutzen

Die konjunkturpolitische Diskussion in der Bundesrepublik ist zum Ritual erstarrt. Im Mittelpunkt steht die Wachstumsrate des Sozialprodukts, an der Optimismus und Pessimismus, Lob und Tadel für die amtliche Politik festgemacht werden.

Verkehrte Welt

Dreimal im Jahr wird in der Bundeshauptstadt ein immer gleiches Schauspiel aufgeführt: Wenn im Frühjahr und im Herbst die fünf wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute ihr Gutachten abgeben und wenn im November der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seine umfangreiche Expertise vorlegt, fühlen sich stets alle – Regierung und Opposition – bestätigt.

Alles unter Kontrolle

Was der Geschäftsleitung der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) in St. Augustin bei Bonn widerfuhr, ist ein exemplarischer Fall.

Ökobank: Was lange währt...

Niemand vermißte ihn am vergangenen Samstag im Frankfurter Nordend. Und doch fehlte er unter all den Ökofreunden und Turnschuhbankiers – der Bandit Mackie Messer aus Bertolt Brechts Dreigroschenoper.

Persilschein für Panscher

Ob Glykolwein, Hirschgulasch vom Känguruh, Kochwurst von Biberratten, Psychopharmaka im Kalbfleisch, getürkter Bioweizen, verseuchtes Flüssig-Ei oder Olivenöl: Bundesweit sind sie bei der Aufdeckung krimineller Machenschaften mit Speis und Trank am erfolgreichsten.

Zeit und Geld: Springer-Aktie: Merkwürdige Transaktionen

Ob dabei alles mit rechten Dingen zugegangen ist? Am Mittwoch, dem 19. April, unmittelbar nach Börsenschluß, gaben die Brüder Franz und Frieder Burda bekannt, sie würden aus dem Pool-Vertrag mit dem Filmhändler Leo Kirch aussteigen und ihre Springer-Aktien an die Erben Axel Springers verkaufen.

Ein bißchen Dampf

Adam-Schwaetzer: Diese Behauptung stellt die Dinge auf den Kopf. Wir werden den Binnenmarkt genauso wie vorgesehen bis 1992 realisieren.

MANAGER UND MÄRKTE

Wer in der Bundesrepublik zum Telephonhörer greift. bekommt es – scheinbar – immer mit der Post zu tun. Denn Minister Christian Schwarz-Schilling besteht hartnäckig auf seinem Monopol beim Fernsprechdienst.

Indonesien: Michel im Abseits

Bonns Botschafter in Djakarta schlug Alarm. In seinem Bericht Nummer 316187 ans Auswärtige Amt in Bonn vermeldete der Diplomat „beunruhigende Entwicklungen“ im deutschindonesischen Verhältnis.

Der Fluch der Kompromisse

In den achtziger Jahren haben sich die Krisen in den sozialistischen Volkswirtschaften Osteuropas, im Wirtschaftssystem sowjetischen (stalinistischen) Typs also, zusehends verschärft.

Neues Standesrecht für Anwälte: Werbung muß erlaubt sein

DIE ZEIT: Herr Koch, als das Bundesverfassungsgericht vor etwa einem Vierteljahr das Standesrecht der Anwälte teilweise zur Makulatur erklärte, wurde manche Träne vergossen und auch die Befürchtung laut, daß „Sitte und Anstand“ der Anwaltschaft leiden könnten.

Kein Brot für die Welt

£ine unbarmherzige Sonne, ein unendlich weiter Horizont. Der Boden, sand- und Steinfarben, bricht vor Trockenheit in risigen Schollen auseinander.

Flora Brasiliensis

Amerika, diese neue ... Welt, ist seit seiner Entdeckung Gegenstand der Vorliebe und der Bewunderung Europas.“ Umso mehr war der deutsche Botaniker Carl Friedrich Philipp von Martius begeistert, als ihn im Jahre 1818 die aus Österreich stammende brasilianische Kaiserin Leopoldine von Habsburg und Branganca nach Rio de Janeiro einlud.

Rettung für zwei Hamburger Markthallen: Kunst statt Blumen

Wie man’s betrachtet: Die einen – die Blumengroßhändler – hatten nur Injurien für diese "abbruchreifen Hallen am Deichtorplatz" zu Hamburg im Kopf; und als sie eine brandneue Halle beziehen durften, glaubten sie, ihrem Untergang entronnen zu sein.

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