£ine unbarmherzige Sonne, ein unendlich weiter Horizont. Der Boden, sand- und Steinfarben, bricht vor Trockenheit in risigen Schollen auseinander. Doch aus den kargen Erdspalten wachsen, auf kräftigen Halmen, reich tragende Getreide Ähren dem gleißenden Licht entgegen Eine Fata Morgana? Nein - ein Unternehmensprospekt. Auf Hochglanz Papier fragt die amerikanische Saatgut Firma Northrupgleich im Korn mitgeliefert werden?" Und das scheinbar Unmögliche, die reiche Ernte mitten in der Wüste, soll Wirklichkeit werden: "Wir forschen daran "

Für die amerikanischen Farmer schon von "revolutionärem Wert", seien die bio- und gentechnischen Verfahren "für die Bauern der Dritten Welt noch weit dienlicher", meint Nyle Brady, der frühere Direktor des Internationalen Reis Instituts auf den Philippinen. Doch Howard Schneiderman aus der Forschungsabteilung des amerikanischen Chemiemultis Monsanto holt die Euphoriker auf den Boden zurück: "Niemand sollte sich hinreißen lassen, zu meinen, daß die Biotechnologie dem Welthunger Problem ein schnelles wissenschaftliches Pflaster verpaßt "

Widersprüchliche Aussagen. Was also bringt die "zweite industrielle Revolution" der Dritten Welt? Werden Bio- und Gentechnik endlich den Hunger besiegen? Wird man schließlich die Infektionskrankheiten beherrschen können, die in den Tropen jährlich Millionen Menschenleben kosten vor allem das Leben von Kindern?

"Jetzt beginnt das Zeitalter der biotechnologischen Industrie!", sagte der Mitbegründer der Firma Genentech, Robert Swanson, als er das gentechnisch hergestellte, menschliche Wachstumshormon "Protopin" vorstellte. Dieses Medikament kommt derzeit etwa zehn- bis fünfzehntausend amerikanischen Kindern mit Wachstumsstörungen zugute. Andererseits gibt es jährlich 200 Millionen neue Malaria Fälle; zwei Millionen Menschen sterben an der Tropenkrankheit. Als die gleiche Firma tion WHO gebeten wurde, die Entwicklung eines gentechnischen Impfstoffes gegen Malaria zu übernehmen, platzten die Verhandlungen. Die rein kommerzielle Begründung: Genentech verlangte die Exklusivrechte für das Präparat.

Die Industriemanager machen keinen Hehl daraus, daß die Entwicklung von Medikamenten gegen die großen Tropen Infektionen für sie kein Thema sei. Die Malaria stellt da sogar noch eine Ausnahme dar - zum einen, weil die WHO die Impfstoffentwicklüng auch finanziell unterstützt, zum anderen wegen der globalen Bedeutung: Das Präparat wird vor allem die Tropen Touristen begeistern, die keine lästigen und belastenden Vorbeugungspillen mehr schlucken müssen, Mittel, die ohnehin die Resistenz des Krankheitserregers fördern und so ihre Wirkung verlieren. 1986 haben die Behringwerke angekündigt, gemeinsam mit der Schweizer Firma Biogen an einer MalariaVakzine zu arbeiten.

In der Erprobung sind gentechnisch hergestellte Impfstoffe gegen die virusbedingte Lebererkrankung Hepatitis B. Mit diesem Virus sind weltweit 315 Millionen Menschen infiziert Über die Hälfte, davon lebt im Pazifischen Raum - ein großer Teil der Betroffenen aber auch in den Industrieländern. Dort zumindest könnten die Firmen mit einem sicheren Absatz rechnen.

Bei Krankheiten wie der Flußblindheit jedoch, die ausschließlich in den Tropen vorkommt, seien "die Unternehmen weitgehend uninteressiert", bestätigt Dietrich W. Büttner vom Hamburger Bernhard Nocht Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten. Die Entwicklung von Impfstoffen gegen die Lepra oder die Chagas Krankheit läßt sich offenbar nur staatlich oder durch Spender finanzieren.