Von Dorothea Hilgenberg

West-Berlin

An der Stelle, wo sie von Soldaten und Offizieren der Garde-Kavallerie-Schützen-Division umgebracht und ins Wasser gestoßen wurde, ragt eine Platte – die verlängerten Profile ihrer Namensbuchstaben – aus dem Landwehrkanal schräg nach oben: Rosa Luxemburg.

Man könnte leicht vorbeilaufen, wäre an der Mauer gegenüber nicht eine Tafel angebracht, in der auf die Bluttat hingewiesen wird. Der gleiche schlichte Text, einige hundert Meter weiter, am Nordufer des Neuen Sees, dort steht eine gemauerte Gedenksäule für Karl Liebknecht. Rosa Luxemburg sollte an der Brücke und Liebknecht an der Stelle seiner Erschießung geehrt werden. Beides so gesamtdeutsch wie möglich. Nach Formen, die in West-Berlin gefertigt wurden, ließen die Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte die gußeisernen Elemente in der DDR, im VEB Lauchhammer, gießen. Das Gemeinschaftsprojekt wurde für die Stifter zu einem „bewegenden Erlebnis“.

Doch schon kurz nach der bewußt kleingehaltenen Einweihungsfeier im Dezember vergangen Jahres wurden sie auf den Boden der Realität zurückgeholt. Sträuße und Kränze, die an den Mahnmalen niedergelegt waren, trieben im Wasser. Die Polizei war damit beschäftigt, sie herauszufischen und an ihren Bestimmungsort zurückzubringen.

Unlängst verschandelten Unbekannte die Gedenkstellen mit Farbe, in Schwarz-Rot-Gold. Die Hinweistafel für die aus Polen stammende Jüdin Rosa Luxemburg hatten sie mit Davidstern und Hakenkreuz beschmiert.

Seitdem paßt der Streifendienst der Polizei, der die Mahnmale schon während der Bauzeit fest im Programm hatte, noch stärker auf. Den beiden Architekten ist es unbegreiflich, daß „fast siebzig Jahre nach der Ermordung die Turbulenzen immer noch so groß sind“. Doch auch die Zustimmung wächst, sie haben inzwischen viele positive Reaktionen bekommen, „vor allem für Rosa Luxemburg“.